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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
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Brückenbau.

durch schräggestellte Pfähle zu erhöhen; und wenn auch der Do­minican ermönch Romano schon 1683 bei der Erbauung der Maas­brücke zu Maastrich, und 1684 nach Paris berufen, beim Baue der Tuillerienbrücke durch die erstmaligen Anwendungen der Bagger­apparate und der Schiffsversenkung( Schwimmkasten) in die entstan­dene Tiefe, die Kunst der Fundirung schon bedeutend gefördert hatte; und wenn auch der Baumeister la Belye 1739 schon regelrechte Fundamentkasten bei der Westminsterbrücke versenkte; wenn ferner die berühmten Ingenieure Bayeux und Cessard bei der Tours- und der Saumurbrücke über die Loire schon 1755 und 1756 einen bedeut­samen Fortschritt in der Fundirungskunst gemacht hatten, indem sie die eingerammten Pfähle abschnitten und auf die Köpfe der­selben hölzerne Fundamentkasten mit dem nöthigen Beschwerungs­mauerwerke des Pfeilers versenkten, wobei der Kastenboden als Rost. diente, und wenn endlich auch der berühmte englische Ingenieur Smeaton in der Kunst des Brückenbaues schon so weit vorge­drungen war, dass ihn die gegebenen Fundirungsverhältnisse bei dem Baue der Brücke von Hexham in der Grafschaft Northhumber­land im Juli 1778 auf den unendlich folgereichen Gedanken brach­ten, mit einer Taucherglocke, in welcher die Luft com­primirt wurde, in die Tiefe zu dringen: so mangelte jener Zeit doch noch immer die Dampfmaschine und mit ihr die Fähigkeit, tief in strömendes Wasser zu dringen und an jeder beliebigen Stelle und in beliebiger Flächenausdehnung zu fundiren.

Die Beschränktheit in der Fundirung, welche namentlich bei der Tuillerienbrücke( 1684) und bei der Toursbrücke( 1755) grell zu Tage trat, und welche zu eingehenden Erörterungen bei den Bauten der Brücken zu Neuilly, Mantes, Saumur und Moulins führte, nöthigte aber zur Sparsamkeit in der Anzahl der Pfeiler und damit zu grossen Spannweiten, deren flachbogige Ueber­brückung wiederum desswegen geboten war, weil man die Noth­wendigkeit erkannt hatte, wegen der Hochwasser die Kämpferlage zu erhöhen und bei grossen Spannweiten den Vollbogen zu vermei­den, da die dadurch gegebenen Ansteigungen der Brückenbahn bezüglich des Verkehres schon dem Geiste der Zeit widersprachen.