III. Steinerne Brücken.
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Ein weiteres Merkmal des Fortschrittes im Baue gewölbter Brücken zeigt sich innerhalb der in Rede stehenden geschichtlichen Periode auch dadurch, dass zu Ende derselben die Anwendung der Korbbogen sich wieder verringerte und der Stichbogen dagegen überhandnahm. Diese Vereinfachung kann in Zusammenhang gebracht werden mit den Thatsachen: dass zuerst bei der Pesmesbrücke die Kämpfer oberhalb des Hochwassers gelegt wurden, dass ferner die Stichbogen entlang der Mittellinie des Druckes in den Widerlagern eine Fortsetzung fanden, welche rationeller erschien und die in primitiver Weise bekanntlich schon bei der Fleischerbrücke in Nürnberg an gewendet wurde, und dass endlich der Werth des Korbbogens schwand, weil der letztere in seinem Kämpfer bezüglich der Hochwassermarke nicht so grell wie der Segmentbogen auftritt.
Einen anderweitigen Hauptfortschritt innerhalb der genannten Brückenbauperiode haben wir auch dahin zu verzeichnen, dass, wie wir weiter unten noch hervorheben werden, die französische Schule sich auf die Mathematik stützte, Rechnungen über die Mittellinie des Druckes, über die Widerstandskraft der Fundamente und über die Festigkeit der Materialien anstellte und damit trotz der flachen Bogen und trotz der enormen Spannweiten Ausserordentliches in den Dimensionen der Gewölbe und der Widerlager leistete.
Die grossen Spannweiten führten des Weiteren zu wesentlichen Fortschritten im Baue der Lehrgerüste, und weisen wir in dieser Hinsicht insbesondere auf den Bau der Neuillybrücke und jenen des Pont Jena hin.
Ein letztes Merkmal des Fortschrittes, dessen wir hier zu gedenken haben, betrifft endlich die Pfeilerstärke.
Aus den verschiedenen Einstürzen von Brücken, namentlich jenen der Carajabrücke zu Florenz, der alten Prager Brücke und der alten Würzburger Brücke( beide 1342), der Notre- Dame- Brücke ( 1499), des Pont du Change( 1596), der Avignonbrücke( 1602), dann aus den Beschädigungen der Dresdener Brücke( 1342), der Regensburger Brücke( 1491) und der Fleischer- Brücke( 1568), ferner aus den Einstürzen der Brücke Ste. Marie de la Tournelle ( 1659), sowie aus dem Einsturze der ursprünglichen, vierbögigen Taafbrücke, jenem der Dôlebrücke( 1764) und jenem der Hexham