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Brückenbau.
55. Italien, das Vaterland des Baues gewölbter Brücken, das Land, in welchem schon Messius Rusticus und Cestius Gallus uns die nachahmungswerthen Vorbilder im Brückenbaue geschaffen haben, war auf der Ausstellung in dem hier berührten Gebiete nur ausserordentlich spärlich vertreten; es brachte zum Leidwesen der Forscher auf kunstgeschichtlichem Gebiete nur zwei seiner Werke zur Anschauung u.z.nur in Form von allerdings vortrefflichen Aquarellen a) die Hannibalbrücke über den Volturno, erbaut von Giustino Fiocca, eine Segmentbrücke, welche sich durch die Riesenspannung von 60 Meter kennzeichnet, zu deren beiden Seiten kleinere niedere Oeffnungen in einer Weise angeordnet sind, dass sie unterhalb der Mittellinie des Druckes des Segmentbogens liegen.
b) Brücke über den Fiume- Sele, construirt von Pascuale Sasso; auch diese Brücke ist eine Segmentbrücke, misst 55 Meter Spannweite und zeichnet sich durch die Anordnung des Widerlagers in Bezug auf die Aufnahme der Mittellinie des Druckes und dessen Verpflanzung in das Terrain ganz vorzüglich aus.
56. Oesterreich, welches im Baue gewölbter Brücken, insbesondere in Böhmen, Werke von grossem kunstgeschichtlichen Werthe ( Reste der ersten Moldaubrücke zu Prag 1171-1174; Brückenreste zu Raudnitz( 1311); Brücke zu Pisek( c 1360); bestehende alte Brücke zu Prag( 1358-1503) etc.) und( besonders in seinen Alpenländern) gewölbte Bögen von hervorragender Spannweite( Segmentbrücke über den Tepl bei Karlsbad= 96 Wiener Fuss Spannweite; Stephansbrücke auf der Brennerstrasse, Vollbogen 138 Wiener Fuss Spannweite), besitzt: war auf der Ausstellung diesfalls leider nur durch zwei Objecte Fig. 160.
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