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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 3 / Bericht von Franz Rziha
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Oberbau.

nach den Angaben des Vertreters von Saxby und Farmer in Wien, Herrn Karl Lenz, folgende Vortheile bietet:

1. Die Wechselzunge muss ihren ganzen Weg zurückgelegt und sich fast an die Stockschiene angelegt haben, bevor das Fahr­signal gegeben werden kann. Der geringste, fremdartige Körper, welcher die vollständige Anschmiegung der Zunge an die Stock­schiene verhindert, wird sofort entdeckt, selbst wenn die Umstellung des Wechsels auf eine weite Entfernung vermöge des steifen Ge­stänges etc. erfolgt.

2. Die Wechsel werden in der durch die Signale widergege­benen Stellung bleibend gesperrt; dadurch werden die Schwankungen und Erschütterungen beim Durchfahren des Wechsels vermieden und wird die Abnützung erheblich vermindert.

3. Wenn ein Zug einen Wechsel zu befahren begonnen hat, so beherrscht er dessen Stellung; der Signalwärter kann weder ab. sichtlich noch durch Unachtsamkeit die Stellung des Wechsels ver­ändern, so lange nicht das letzte Räderpaar des Zuges den gefähr­lichen Punkt überschritten hat.

Der hierzu dienende Wechselriegel greift in ein entsprechendes Loch der ersten Verbindungsstange der Weichenzunge ein, und kann die Weiche demnach erst dann gestellt werden, wenn der Riegel zurückgezogen wird. Das Zurückziehen ist aber unmöglich gemacht, solange die Weiche befahren wird, weil das Riegelhebelwerk erst frei spielen kann, wenn es von dem Radflanche nicht mehr gehindert wird.

Zur Zeit der Wiener Weltausstellung( 1873) befand sich der Saxby und Farmer'sche Apparat bereits auf circa 55 Bahnen in Anwendung.

Nach directen Mittheilungen aus Braunschweig, wie auch nach den veröffentlichten dortigen Erfahrungen, welche die Techniker­versammlung der deutschen Eisenbahnverwaltungen vom September 1874 zur Kenntniss gebracht hat, bewähren sich die Saxby und Farmer'schen Apparate ganz vorzüglich, sobald es sich um Stellung von Ein- und Ausfahrtsweichen und von Ein- und Ausfahrtssignalen

und nicht etwa um Stellung der Wechsel in Rangirgeleisen han­delt; es wird insbesondere hervorgehoben, dass die Weichenstellung ganz präcise von Statten geht, dass sie sich seit 1870 in allen Jahres­zeiten bewährt hat und dass die Compensationsvorrichtungen gegen