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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Dr. Carl Lind.

Gegenstände der romanifchen Kunft aus Elfenbein, Bein u. f. w. Die romanifche Kunft verwendete mit Vorliebe zur Ausftellung gewiffer kirchlicher Gegenftände, wie Tragaltäre, Buchdeckeln u. f. w. das Elfenbein, das dann mit Sculpturen geziert wurde. Von folchen Gegenftänden enthielt die Aus­ftellung Einiges, und zwar fehr werthvolles.

Wir nennen zuerft die zu den feltenen kirchlichen Gegenftänden gehörenden beiden vom Stifte Melk zur Ausftellung gebrachten Tragaltäre. Es find diefs kleine Käftchen mit flacher Oberplatte und auf vier Füfsen ruhend. Der innere Raum hatte die Reliquien aufzunehmen, auf der Tifchfläche lag die Hoftie fammt Patena und ftand der Kelch. Das eine diefer beiden Geftatorien gehört noch dem XI. Jahrhundert an, das andere ift etwas jünger. Der in der Mitte der mit reichem Elfenbeinbefatz gefchmückten Deckplatte des älteren Käftchens befindliche Altarftein, ein Serpentin, ift fehr klein und von oblonger viereckiger Form. Ein fchmaler Silberftreifen bildet feine eigentliche Einfaffung. Die weitere Umrahmung befteht aus einem breiten Elfenbeinbande mit kleinen, aber höchft intereffanten Sculpturen, als: nimbirte Engel, eine Scheibe, darin das Lamm Gottes, in einem Kranze die Hand Gottes auf dem Kreuze ruhend, Prophetengeftalten, Evangeliftenfymbole etc. Nach aufsen ift die Deckplatte von einem Silberbande eingefafst, das leider nicht mehr ganz erhalten blieb, was um fo mehr zu bedauern ift, als die Infchrift Auffchlufs gab über die Spenderin diefes Kleinods. Aus dem Infchriftfragment ift zu erfehen, dafs diefes Tragaltärchen ein Gefchenk der Markgräfin Swanhilde, Gemalin Ernft des Tapferen( 1056-1075) aus dem Haufe Babenberg, war, deffen Gunft fich das in der markgräflichen Refidenz Melk errichtete Stift weltlicher Chorherren zu erfreuen hatte. Die Seitenwände des Schreines find ebenfalls mit Elfenbein- Schnitzereien geziert, doch hat bedauerlicher Weife eine Schmalfeite diefen Schmuck bereits verloren. Die Vorftellungen find Mariä Verkündigung, deren Befuch bei Elifabeth, die Geburt Chrifti und deren Verkündigung an die Hirten, die Anbetung durch die drei Könige, die Taufe, der Einzug in Jerufalem und das Abendmahl.

Der zweite Schrein hat in der Mitte der Deckplatte einen Porphyrftein eingelaffen, auf deffen bandförmiger, kupfervergoldeter Einfaffung eine Infchrift angebracht ift, die dahin deutet, dafs der Altar eine Reliquie des heiligen Johannes des Täufers enthalten hat. Die Seitenwände find ebenfalls mit Elfen­beinreliefs geziert, doch haben diefelben, wenngleich werthvoll, doch einen minderen Kunftwerth als die des anderen Schreines. Wir fehen Chriftus als Weltrichter, die Verkündigung, die Geburt und die drei Könige, eine aus den Wolken herabreichende Hand mit einem Kranze, Chriftus umgeben von myftifchen Geftalten und endlich eine Wiederholung der erften Vorftellung, die Figuren find derb und hart, doch ift daran keineswegs byzantinifcher Ein­

flufs zu erkennen.

Der an älteren Kunftgegenständen nicht reiche Wiener Domfchatz ftellte ein kleines Reliquienkäftchen aus, das noch dem XIII. Jahrhundert angehören mag. Es ift von Holz und mit beinernen Plättchen überzogen. Dasfelbe zeigt auf den Aufsenflächen theils Laubwerk, theils drachenartige, in einander verfchlungene Thiere eingravirt. Die Linien der Gravirung find fchwarz oder roth ausgefüllt. Ein ähnliches und aus derfelben Zeit ftammendes Reliquienkäftchen ftellte das Salzburgifche Stift Sct. Peter aus. Dasfelbe ift an der Aufsenfeite mit zierlich durchbrochenen, fehr feinen Elfenbein- Schnitzwerken bedeckt. Auch das Giebeldach ift mit folchen Elfenbeinplättchen geziert. Durch diefe feinen, äufserft zierlichen Elfenbeinbekleidungen fchimmern überall feine Goldplätt chen durch, welche zwifchen den Wandflächen des Käftchens und den Schnitzereien eingefügt find.

Eingehende Beachtung verdienten auch die beiden ausgeftellten Elfen bein- Reliefs. Das eine, dem Stifte Seitenftetten gehörig und dem Ende des XII. Jahrhundertes entſtammende Schnitzwerk( 4% Fufs lang, 4 Fufs breit),