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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.

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und zwar wurde gerade jener Moment gewählt, wo eilf der Apoftel fragend die Rechte emporheben, während Judas gleichzeitig mit dem Heilande die Hand in die rofenförmige Schüffel taucht; in der Mitte der Patene fehen wir das Lamm Gottes in der üblichen Darftellungsweife. Am äufseren Rande wiederholt fich durch vier Engelsbüften unterbrochen der ornamentale Rand des Kelches mit der vermeintlichen kufifchen Inſchrift. Sämmtliche Darftellungen find in feiner Gra­virung ausgeführt.

Den gewöhnlichen Meffekelch diefes Stiles repräfentirt ein Kelch aus dem Stifte St. Peter. Er ift aus Silber angefertigt und theilweife vergoldet, hat eine Höhe von 42 Zoll und gehört dem XII. Jahrhunderte an. Der Fufs ift rund und fteigt trichterförmig an, der eigentliche Schaft fehlt und wird durch einen runden, ziemlich breiten Nodus erfetzt, die Trinkfchale ift halbkugelförmig mit etwas aus­gebogenem Rande gebildet. Zwifchen Nodus und Schale ift ein kleiner Ring mit Perlenornament eingefetzt. Die Patene, welche urfprünglich nicht zum Kelche gehörte, hat einen Durchmeffer von Zoll und trägt in der vertieften Mitte innerhalb eines Sechspaffes das Bild des Ofterlammes mit dem Kreuznimbus. Von der Bruft geht ein Blutftrom zur Erde und mit dem Vorderfufse rollt es eine Schriftrolle auf. Ueber dem Lamme fieht man eine fegnende Hand fich herab­fenken. Kelch und Patene find mit Infchriften verfehen, die uns belehren, dafs Angehörige des Grafengefchlechtes von Burghaufen, das wiederholt die Schutz­vogtei über das St. Peters- Klofter innehatte, diefe Patene fammt einem Kelche dem Stifte im Laufe des XII. Jahrhundertes gefchenkt haben und dafs der jetzige Kelch gegen Ende des XI. oder Anfang des XII. Jahrhundertes von einem gewiffen Gerhochus geopfert wurde.

Das Mufter eines Pontificalkelches liefert der vom Stifte Lambach aus­geftellte Kelch. Der Fufs ift modern, die filbervergoldete, halbkugelförmige Cuppa hingegen gehört dem XIII. Jahrhunderte an. Die Aufsenfeite derfelben ift mit in Umriffen gravirten Darftellungen, wie der englifche Grufs, Johannes Evan­gelift, St. Kilian, die Evangeliftenfymbole und mit ebenfo ausgeführten Infchriften gefchmückt.

Eines der feltenften kirchlichen Gefäfse ift die fogenannte Columba, davon zwei Exemplare ausgeftellt waren. Das eine gehört dem Domfchatze zu Salzburg, das andere, bei Weitem minder gut erhaltene, der Benedictinerabtei zu Göttweig. Das erftere Gefäfs hat eine Höhe von 9 Zoll, ift aus Kupfer angefertigt und vergoldet. Es führt feinen Namen von feiner taubenförmigen Geftalt; die ganze Figur ift ftilifirt und wenig zierlich aufgefafst, der Leib und die ftelzen­ähnlichen Beine, die auf einem flachen Poftamente befeftigt find, werden durch federförmige Eingravirungen charakterifirt. Der Schnabel und der mit einer befon deren Stütze verfehene Schweif find glatt, die Augen aus blauem Glasflufs gebildet. Mit befonderem Schmucke wurden die Flügel ausgeftattet, es ift herrliches blaues, rothes und weifses Email champlevé, das nach der Zeichnung der Flügelfedern entfprechend aufgelegt wurde. Der nur mit Gravuren ausgefchmückte Deckel zum Oeffnen des aus dem Leibe der Taube gebildeten Gefäfses ift am Rücken der Figur angebracht.

Am zweiten Gefäfse, das jedoch nur 7 Zoll hoch ift, findet fich die Taubengeftalt mehr entwickelt. Es ift aus Meffing angefertigt, glatt, ohne Email­fchmuck, in neuerer Zeit vergoldet, und dürfte ebenfalls aus dem XII. Jahrhunderte ftammen. Stellt man die Frage, welchen Zweck diefe Gefäfse in der kirchlichen Kunft des Abendlandes hatten, fo mufs man bemerken, dafs fchon im IV. Jahr­hunderte Spuren von in den chriftlichen Kirchen im Gebrauche ftehenden gol­denen und filbernen Gefäfsen in Taubengeftalt vorkommen; fie wurden peristerium oder columba, auch ciborium benannt, in welchem Falle fie dann zur Aufbewahrung der Hoftie dienten; diefe letztere Beftimmung war auch die am meiften übliche. Der Platz, den die Columba mit der Euchariftie einnahm, war auf dem Altare; meiftens ftand diefelbe in einer von der Decke des Ciboriumaltares herabhängen­