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Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.
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gab ihr dafür das gegenwärtige, weit koftbarere Gewand von Edelfteinen, Gemmen und Reliquien, das aber durch die Ungunft der Zeiten bedeutende Schäden erlitten hat, in der Hauptfache aber erhalten blieb.
Noch vier andere Kreuze find hier zu erwähnen, zwei davon gehören ebenfalls dem Stifte St. Paul; das eine, das erft in neuerer Zeit auf Holz befeftigt wurde, ift höchft einfach und roh, die Figur aus Bronce, mit langem gemusterten Schurze, die Füfse abgeondert genagelt, das Antlitz mit jugendlichem Ausdrucke, das Haupt gekrönt, an der Stelle der Augen Löcher, die ehedem mit Steinen ausgefüllt waren; es dürfte in das XI. Jahrhundert zurückreichen. Beim anderen Crucifix, deffen Figur ganz ähnlich, aber fchwungvoller behandelt ift, und das um ein Jahrhundert jünger fein dürfte, hat fich das Kreuz felbft erhalten. Es befteht aus einer Kupferplatte, die auf der Vorderſeite mit herrlichem Email- champlevé, lineare und Das dritte, ebenfalls aus dem Blumenornamente vorftellend, gefchmückt ift. XII. Jahrhunderte ftammende Crucifix ift auf beiden Seiten mit prachtvollen Emails verziert, wie auch die Chriftusfigur damit ganz überzogen ift. Es gehört dem Das vierte kleinen Kirchlein am Bartholomäiberge in Vorarlberg. Kreuz, dem Domfchatze zu Salzburg entnommen, ftammt aus zwei verfchiedenen Zeiträumen, der Fufs ift ein Werk des XV. Jahrhundertes, während das eigentliche Kreuz ficherlich um drei Jahrhunderte früher entstanden fein mag. Dasfelbe ift aus Holz angefertigt, hat doppelte Querbalken und ift ganz mit Silberplättchen und darauf mit reichem Filigranfchmucke belegt. In einer kreuzförmigen Vertiefung inmitten des durch den unteren Querbalken gebildeten Kreuzes ift die Particula S. crucis eingelegt. Oberhalb befindet fich ein grüner Stein mit der eingefchnittenen Vorftellung des Kampfes des heiligen Georg mit dem Drachen. Als Nodus ift ein Stück gefchliffenen Bergkryftalls verwendet.
Mit der Bezeichnung ,, Trinkbecher des heiligen Ulrich", Bifchofs zu Augsburg( 923-973), fand fich ein dem Stiftsfchatze zu Melk entnommenes Gefäfs das aus der gröfseren Hälfte eines ausgehöhlten Kirbiffes befteht, doch ift diefer bereits an vielen Stellen fchadhaft, löcherig, daher in neuerer Zeit etliche Metallfpangen zum Zufammenhalten desfelben angelegt wurden. Innen ift die Schale mit Silberblech bekleidet und am Boden mit einem vergoldeten Medaillon belegt, darinnen auf punzirtem Grunde in Relief die auf einem Faltftuhl fitzende Figur des Bifchofs angebracht ift. An der Aufsenfeite ift der Rand der Schale mit einem dreitheiligen, fchwungvollen Blattornamente verziert. Ueber den ganzen Schalenkörper laufen vom Rande entſpringend zwei fich kreuzende, mit hübfchen Laubornament gefchmückte Spangen und ift jedes der fich dadurch auf der Schale bildenden dreieckigen Felder mit einer Rofette geziert. Der allgemeinen Annahme nach gelangte diefe Schale als ein Gefchenk des Markgrafen Ernft an das Stift, die Faffung gehört mit Rückficht auf das romanifche Laubornament und das fiegelähnliche Medaillon dem XIII. Jahrhunderte an.
Wir haben bereits bei einigen Gegenständen, wie bei den Kreuzen von Sct. Paul und Bartholomäiberg der in Emails ausgeführten Verzierungen erwähnt; aufser diefen haben wir noch vieler Gegenftände zu gedenken, die ebenfalls mit Emails reichlich ausgeftattet find. Es dürfte daher gerechtfertigt fein, eher nur mit wenig Worten der Emailirkunft zu erwähnen.
Alter und Urfprung des Email find nicht feftgeftellt. Gewifs ift, dafs die Völker des Orientes fchon mit der Behandlung der Glafur und des Glasfluffes vertraut waren, und zu Byzanz, dann in Sicilien, in Deutſchland( den Rheingegenden) und endlich in Frankreich die Emaillirkunft betrieben wurde; befonders in Frank reich zu Limoge blühte diefe Kunft und manches auf uns gekommene Denkmal gibt uns Zeugnifs von der Kunftfertigkeit der damaligen Zeit.
Man unterfcheidet dreierlei Emails, den Zellenfchmelz( Email cloifonné) Grubenfchmelz( champlevé) und durchfichtigen Schmelz( Email translucide). Bei erfteren wird die Oberfläche des Metalles, auf der es aufgefchmolzen werden foll,
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