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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Dr. Carl Lind.

nach Mafsgabe der Zeichnung in Felder getheilt, welche Untertheilung durch dünne Metallfäden hergeftellt wird. Bei der zweiten Art wurden in der Metall­platte die betreffenden Stellen mittelft des Grabftichels vertieft, dabei die Ränder erhaben belaffen, und diefe Vertiefungen mit Email ausgefüllt. Bei der dritten Art des Emails führte man die Zeichnung auf dem Metall in mehr oder weniger ver­tieften Linien aus und überzog diefelben mit durchfichtigem Email, eine Kunft, die in Italien aufkam, aber im XIV. und XV. Jahrhunderte in Frankreich und am Rhein ganz befonders blühte.

Als hervorragende derartige Werke der Goldfchmiede- Kunft müffen wir nun eine Reihe ganz bedeutender Gegenftände erwähnen. Durch Emailfchmuck zeichnen fich zwei Krumftäbe aus. Der eine gehört der Pfarrkirche zu St. Wolf gang in Oberöfterreich; deffen broncener Obertheil unzweifelhaft eine herrliche Arbeit des XII. Jahrhundertes ift. Die Auffteckhülfe ift gleich dem ganzen Ober­theile mit buntfarbigem Email verziert und zeigt etliche theils aufrecht ſtehende, theils vorwärts fchreitende Greife mit erhabenen Flügeln und verfchlungenen Schweifen, die böfen Dämone fymbolifirend, welche als Feinde der Kirche der Hölle entfteigen. Den Nodus, welcher mit einer kleinen Blätterkrone bedeckt iſt, wodurch er das Anfehen eines Granatapfels bekommt, zieren Sterne und Blumen auf blauem Emailgrund, dazwifchen die eingravirten, mit Schmelz aus­gelegten Halbfiguren der vier Evangeliften, deren Köpfe aus Meffing gegoffen, vergoldet, reliefartig hervortreten. Der Krone entfteigt ein gekrönter Engel mit entfalteten und nach rückwärts in die Höhe gebogenen, geöffneten Flügeln, in den Händen ein gefchloffenes Buch haltend; Augen, Krone und Gewandfaum find gegen den Hals hin mit Edelſteinen befetzt, die Flügel mit herrlichen Schmelzfarben überzogen, das Uebrige des Engels ift überfilbert. Diefe vor trefflich gearbeitete Figur und insbefondere deren Bekrönung bildet den Ver­mittler zwifchen dem Nodus und der Curvatura, welche aus zweimal gewundener, fich verjüngender Schnecke des vierfeitigen Krümmungskörpers befteht, der mit farbigen, dreitheiligen Wolken in Schmelzfarben bemalt ift und mit einer zier­lichen, aus fünf mandelförmigen Blättern gebildeten Blume endigt. Der mit Elfenbein- Befatz verfehene Schaft ftammt aus dem XVI. Jahrhunderte. Der andere gleich alte Krummftab gehört dem wegen feiner reichen Schatzkammer fchon wiederholt genannten Stifte St. Peter in Salzburg. Er ift vollständig erhalten. Der Obertheil ift aus Bronce, der Schaft aus Holz und mit rother Farbe bemalt, die aber gegenwärtig faft ganz verfchwunden ift. Durchmeffer der Krümmung 3 Zoll 8 Linien. Die mit dem broncenen Obertheile verbundene Hülfe, beftimmt zur Befeftigung am Schafte, ift mit Ornamenten in Email und den eingravirten Halbfiguren zweier Engel auf blauem Grunde geziert. Der kugelige, gegen oben und unten etwas gedrückte Nodus zeigt zwifchen Arabesken in durchbrochenen Rundungen Thiergeftalten mit menfchlichen Köpfen. Oberhalb des Nodus befindet fich eine kleine Krone von fpitzen Blättern gebildet, aus welcher der fehr zarte, faft cylindrifche Krümmungskörper emporfteigt. Die gegen vorwärts gebogene offene Krümmung wird durch einen dünnen, fich allmälig verjüngen­den, zweimal gewundenen Schlangenleib gebildet, der an den beiden Aufsen­feiten mit einem zierlichen romanifchen Bandornamente in Email gefchmückt ift. Aufser diefen Emails zeigt die Krümmung nur blankes Bronce. Der Sattel der Windung ift mit kugelartigen Knorren befetzt. In der Krümmung befindet fich ein das Ende der Windung bildender, phantaftifch geformter Schlangenkopf, welcher ein breites, bunt emailirtes Laubornament im Rachen hält.

Ein beachtenswerthes Ausftellungsobject, fowohl der Form und Beftimmung nach, wie auch wegen des herrlichen Emailfchmuckes ift das in den Stiftsfchatz von Kremsmünfter gehörige Reliquiar, welches mit Rückficht auf feine Form unter dem Namen Rotula bekannt ift. Diefes liturgifche Schaugeräth ift aus einem mittelft eines Stieles in einen pyramidal geftalteten Fufs eingefügten Scheibe gebildet. Der Fufs von emaillirten Kupfer befteht aus drei Dreieckflächen und ruht auf drei