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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Dr. Carl Lind.

Wien verehrte Kreuzpartikel. Die filbervergoldete, fehr zierliche Faffung mit Email und reichem Steinbefatz dürfte in der Zeit Friedrichs IV. angefertigt worden fein. Der fechsblätterige, in die Breite gedrückte Fufs ift mit zwei Wappen, nämlich mit dem in Email ausgeführten deutfchen Doppeladler und dem öfterreichifchen Bindenfchilde gefchmückt.

Muftergiltig find die zwei fehr zierlichen fpätgothifchen Mefskännchen von Silber, vergoldet, aus der Sammlung des Baron Rothfchild; ferner find hervor zuheben zwei Rauchfäffer, das eine von Bronce, aus dem XV. Jahrhunderte, dem Stifte St. Florian gehörig, das andere von Silber und Eigenthum des Stiftes Seitenftetten, letzteres repräfentirt eine der fchönften Arbeiten aus der Zeit der Gothik und zwar der erften Hälfte des XV. Jahrhundertes, hat eine Höhe von 1 Fufs 3 Zoll und an der breiteften Stelle einen Durchmeffer von 4 Fufs 8 Zoll. Der Fufstheil hat die bei faft allen gothifchen Gefäfsen ftereotyp gewordene Geftalt einer fechsblätterigen Rofe. In den Zwickeln derfelben ift je ein kleines Blatt­ornament eingefügt. Der Fufs felbft ift in feinem unteren Theile mit einer Gallerie zierlich durchbrochen, unter welcher der einfach profilirte Rand angefetzt ift. Unmittelbar über dem niedrigen Fufse erhebt fich ohne Vermittlung eines Ver­bindungsgliedes die eigentliche Räucherfchale, in welche das eiferne Becken mit den Kohlen eingefetzt wurde. Die Schale ift gleich dem Fufse fechsfeitig gebildet, und find die fechs Seitenflächen mit einem Schuppenornamente geziert und eben falls durch gerippte Wulfte von einander gefchieden. Den oberen Rand der Schale ziert ein Lilienband, und find an drei Stellen desfelben die Schwingkettchen befeftigt, die fich durch den unteren Theil des Deckels ziehen und in einem fechstheiligen Griffe vereinigen. Ueber diefer Schale baut fich als der reichfte Theil des ganzen Gefäfses der bewegliche Deckel auf, der die Geftalt einer zwei­ftöckigen fechsfeitigen gothifchen Capelle hat. Die fechs Mittelwände der unteren Abtheilung werden von je einem durchbrochenen viertheiligen Fenfter mit zier lichem Fifchblafen- Mafswerk und von je einem doppelten darüber fich wölbenden und vorfpringenden Spitzbogen, der mit einem leeren Wappenfchilde gefchmückt ift, belebt. Die Ecken bilden ftarke mit je einem Figürchen gezierte Strebe pfeiler. In faft gleicher Durchbildung, nur minder verziert, erhebt fich der zweite verjüngte Abfatz des Deckels, welcher mit einem fechstheiligen niederen und einwärts geftreiften Dachhelm bekrönt und durch eine grofse Kreuzblume ab­gefchloffen wird.

Der 28 Zoll hohe Hausaltar aus dem Schatze des Benedictinerftiftes St. Peter in Salzburg, ein Werk von befonderer Zierlichkeit, wurde im Jahre 1494 vom falzburgifchen Goldarbeiter Berthold angefertigt. Das Ganze ift von Silber theilweife vergoldet, hat eine Höhe von 2 Schuh 21 Zoll und ftellt fich als ein äufserft feines und koftbares Werk in Form eines fpätgothifchen Flügelaltars dar. Der Fufs ift in die Breite gezogen und aus acht Blättern gebildet. Der eigenthümlich geformte Nodus ift auf feiner Vorderfeite mit einem auf blauem Emailgrunde aufgelegten Perlmutter- Schnitzwerk geziert. Das den Altaraufbau und den Stil vermittelnde, fich allmälig verbreitende Mittelglied fchmückt eben falls ein Schnitzwerk aus Perlmutter, die Verkündigung Mariae darftellend. Die inneren Flächen des geöffneten Kaftens find mit feinen Perlmutter- Schnitzereien auf glänzendem Goldgrunde ausgefüllt. Das Motiv der mittleren Haupt fläche ftellt Jefus am Kreuze dar und an den beiden Flügeln find das Gebet Jefu am Oelberge, die Anklage vor Pilatus, die Kreuztragung und die Grablegung abgebildet. Den Altarkaften ſchliefst nach oben und unten ein kräftiges Gefimfe ab, von denen das untere mit der Jahreszahl" 1494", das obere mit einer Infchrift verfehen ift. Ueber dem Altarkaften baut fich dann der im fpät­gothifchen Gefchmacke ausgeführte Giebel auf. Die Bafis davon bilden drei Rundmedaillons, zwei kleinere und ein gröfseres, theils aus Perlmutter, theils aus Elfenbein gefchnitten. Darüber fteht unter dem Baldachin der Giebelfpitze ein Figürchen, wahrfcheinlich ein Ecce homo. Die Aufsenfeiten des vierblätterigen