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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.

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Fufses und die Rückfeiten des Stieles und Altarkaftens find mit äufserft kunftvoll gravierten Darftellungen ausgefüllt, fo dafs am ganzen Gegenftand kein Plätzchen erübrigt, das vom Künftler unbenützt geblieben wäre. Die Gravirungen auf der Rückfeite des Kaftens ftellen das Abendmahl, an den Seiten Paffionsfcenen, am Nodus das Weltgericht dar; auch die Flächen des Fufses find mit fchwung- und ausdrucksvoll ausgeführten Bildern gefchmückt.

Einen anderen Hausaltar ftellte die Pfarrkirche Maria Pfarr im falzburgi­fchen Lungau aus. Er ift aus Silber angefertigt, reich vergoldet und mit fpäter hinzu gefügtem Steinbefatz geziert, in Form eines Triptichons aufgebaut und von 3 Fufs Höhe. Der Tabernakel, das ift das Hauptfeld des geöffneten Schrankes, enthält die Darftellung des Kreuzestodes Chrifti, zur Seite des Kreuzes fieht man Johannes und Maria, ftehende Figuren, am Kreuzesfufse die kniende Magdalena, ober dem Kreuze Sonne und Mond durch Steine( Carneol und Opal) dargestellt. Der Tabernakel wird eingerahmt von kleinen Reliquienbehältern, doch wird diefer Rahmen rechts durch die kniende Figur des Donators in Priefterkleidung unter einem kleinen zierlichen Baldachin unterbrochen. Sämmtliche Figuren des Haupt­feldes find als Hochrelief getrieben in der bekannten Formengebung und vollen deten Technik des XV. Jahrhundertes. Unter den Figuren und beim Kreuze find Gebete oder Stellen der heiligen Schrift enthaltende Infchriften angebracht. Die Innenfeiten der beiden in je zwei Felder horizontal getheilten Flügel, die in gefchweiften Wimbergen mit Kreuz- Blumenbefatz abfchliefsen, enthalten Darftel­lungen, in gegoffenen Reliefs ausgeführt, fammt erklärenden Infchriften. Wir fehen die Darftellung der Geburt Chrifti und der Reinigung Mariens, ferner den englifchen Grufs und den Tod Mariens( Maria kniet vor dem Bette und Chriftus führt ihre Seele gegen den Himmel.) Die Rückfeite der Flügel zieren Figuren in kräftiger Gravirung, als: oben links die beiden Johannes, darunter zwei nimbirte Bifchöfe, rechts die Heiligen Petrus und Paulus, Barbara und Katharina. Die dem Altärchen untergebaute Mensa hat eine Infchrift, welche den Pfarrer Grillinger als Donator bezeichnet. Auf der Rückfeite des Schrankes hatte der Künftler in finnreicher Laubwerks- Verzierung die Evangeliftenfymbole, das Lamm Gottes und das Schweifstuch eingravirt; in dem Mittelfelde findet fich ebenfalls eine lange Infchrift, welche die in dem Altare hinterlegten Reliquien aufzählt und aufserdem noch die Widmung des Peter Grillinger( 1443) wiederholt. Ueber dem Schranke baut fich ein luftiger Baldachin aus verfchlungenem Aft- und Laubwerk auf, dar­unter die Figur des Ecce homo. Leider ift diefer Theil des Altärchens fo arg befchädigt, dafs der oberfte Abfchlufs nicht ganz klar ift.

Unter den vielen Schätzen und Merkwürdigkeiten des Prager Domes feffelte vorzüglich eine grofse Onyxfchale die Aufmerkfamkeit der Befucher der Weltausftellung, denn einerfeits ift ein ausgehöhlter Onyx von diefer Grösse eine Seltenheit, anderfeits ift die Faffung von grofser Zierlichkeit. Der Fufstheil ift länglich und enthält die Infchrift, die den König Carl von Böhmen als den Spen­der diefes Gefäfses an den Prager Dom bezeichnet. Aufserdem befinden fich am Fufse vier kleine, emaillirte Wappenfchilder mit Nägeln ziemlich roh aufgeniethet und zwar je zweimal der einköpfige Reichsadler und der böhmifche Löwe. Vier Goldreifen verbinden die innen gerippte Schale mit dem Fufse und mit dem filbervergoldeten Reif, der den Rand der wahrfcheinlich antiken Schale einfafst. Endlich haben wir noch zu gedenken des werthvollen, viertheiligen Altär chens, zum Zufammenlegen eingerichtet, aus dem Salzburger Domfchatze, 32% Zoll hoch und 11 Zoll breit, mit den filbervergoldeten und in Relief ausgeführten Darftellungen aus der Paffionsgefchichte auf blau emaillirtem Hintergrunde. Die Rückfeite diefes dem XV. Jahrhunderte angehörigen Kleinodes zeigt andere der Leidensgefchichte entnommene in durchfchimmernden Emailmalerien ausgeführte Darftellungen der herrlichften Arbeit.

Eines der fchönften Producte der Goldfchmiede- Kunft aus der Zeit der Gothik ift ein Abtenftab des St. Peter- Stiftes in Salzburg. Er gibt zugleich ein

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