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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Dr. Joief Bayer.

recht gefprochen werden; deutfche und franzöfifche Landfchaftsmaler fetzen noch immer ihre Pilgerfchaft auf diefem, auch für die grofsen plaftifchen Naturformen claffifchen Boden fort, während die einheimifche Production der Landfchafts­malerei hinter diefem fchwunghaft betriebenen Kunftexport fichtlich zurückbleibt. Seitdem die Politik und das patriotifche Pathos den Italienern auch in der Kunft foviel zu fchaffen gibt, ift die religiöfe Hiftorie fo ziemlich beifeite geftellt. Die italienifchen Säle machten durch den faft gänzlichen Abgang religiöfer Bilder einen ausgefprochenen weltlichen Eindruck und wir haben diefs in Anbetracht der Kunftverhältniffe der Gegenwart nicht fonderlich zu beklagen.

Was fich aus den italienifchen Kunftzuftänden herausgähren wird, wie die verfchiedenen, zum Theil einander widerftrebenden Elemente derfelben fich ins Gleichgewicht fetzen werden, ift eine Frage an die Zukunft. Es regt fich gar fehr in der italienifchen Malerei, freilich ohne innere Stetigkeit. Sie ift eben eine fpät verjüngte Kunft mit etwas forcirtem juvenilen Charakter, die von den Eigen­fchaften der Jugend das Wagnifs, dem fich zuweilen auch der Leichtfinn an die Ferfe heftet, nicht aber fo ganz die Frifche und den normalen Entwicklungs­drang befitzt. An Talent gebricht es nicht, wohl aber an Ernft und Vertiefung, an der klaren Einficht in die leitenden Kunftaufgaben Der angeborne italienifche Formenfinn wirkt fort, doch ohne die Leuchte des Ideals, die früher die Wege der italienifchen Kunft erhellt hat; der moderne Realismus hat fich, namentlich von dem Norden Italiens, von Mailand und Turin aus Bahn gebrochen, doch ohne fich zu einer charakteriftifchen Energie zu fteigern. die diefer Richtung das Ideal zu erfetzen vermag. So ift es denn jener, elegante Naturalismus", der zwifchen dem Formal- Schönen und Realiftifch- Ausgeprägten auf gewundenen Pfaden mitten hindurch geht, bald nach diefer, bald nach jener Seite fich neigt und für keine fich endgiltig entfcheidet, welcher fich als das nächfte Kennzeichen der italie­nifchen Kunft auch bei ganz flüchtiger Ueberfchau aufdrängt. Damit kommt man freilich nicht weit, fo rafch man auch das Publicum auf diefem Wege gewinnen mag Die italienifche Kunftbedarf einer ernften Gewiffenserforfchung, wenn es mit ihr trotz aller Beweglichkeit und eines vielfeitig rührigen Strebens wirklich auf wärts gehen foll. Hat fich da einmal die Begabung, die reichlich vorhanden ift, mit einer beftimmten, ausgefprochenen Kunftgefinnung ins Gleichgewicht gefetzt, dann wird es auch an diefer Richtung nach aufwärts nicht weiter fehlen

VIII. England.

Die englifche Expofition, an Oelgemälden und Aquarellen nicht mehr als 121 Nummern umfaffend aber dabei qualitativ fehr gewählt, war für Jeden, der auf moderne Kunftſtudien in der Weltausftellung ausging, fehr lehrreich. Der Gegenfatz zu Italien fällt zunächft in die Augen. Dort, auf der apenniniſchen Halbinsel ein richtiges Kunftvolk, das aber leichtfertig und flüchtig geworden und mit dem Talente mehr fpielt, als es austieft; hier auf dem britifchen Infel­lande eine Nation voll grofsartig- praktifcher Thätigkeit, in deren Adern nur wenig Tropfen echten Künftlerblutes rollen, die aber, wenn fie fich einmal mit der Kunft befafst, diefelbe mit dem gleichen gemeffenen Ernft und eben der Gewiffenhaftigkeit betreibt, wie ihre übrigen vielumfaffenden Angelegenheiten.

Der gründliche Fleifs, die Accurateffe und fichere Verftändigkeit des eng­lifchen Induftrialgeiftes fcheint fich da auch auf die Kunft übertragen zu haben. Anmuth, Feuer und Kraft findet fich da wenig, aber ein grundfolider Zug geht entfchieden durch. Es ift eine Kunft, wie fie der Gefinnung der höhft ehrenwer then" Esquires und Ladies entſpricht, in deren Salons diefe Bilder zu hängen pfle gen, die erft mit dem Enſemble der comfortablen englifchen Hauseinrichtung den richtigen zufammenftimmenden Eindruck machen.

Charakter liegt in diefer Malerei vor Allem, und diefs nicht blos im natio nalen, fondern auch im ethifchen Sinn. Freilich hat fie zum Theil etwas von der

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