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Dr. Jofef Bayer.
ruffifchen Kriegsleben mit Talent wieder:„ Kaukafifche Bergbewohner, beim Herannahen ruffifcher Truppen ihr Dorf verlaffend".
Noch wären Johann Schifchkin's geiftreiche und originelle Federzeich nungen zu erwähnen, dann von Landfchaften E. Dücker's Strandbild, ferner von Alexius Bogoljub off ein„ Eisgang auf der Newa" und„ Die grofse Rhede in Kronftadt", um auch nach diefer Seite hin die flüchtige Ueberfchau der ruffifchen Expofition zu vervollſtändigen. Einige Polen aus Wilna und Warfchau haben ebenfalls bei den Ruffen ausgeftellt; fo Ignaz Korwin Milewski, der in zwei Bildern polnifche Juden beim Gebet, wie es fcheint, mit fehr richtiger Beobachtung fchilderte: ein Vorwurf allerdings, in diefer Art der Auffaffung mehr bezeichnend als anziehend. Uebrigens treffen wir die Polen auch hier zu meift auf dem Boden nationaler Gefchichtsmalerei, den fie mit Vorliebe pflegen, obgleich mit der patriotifchen Gefinnung da nicht immer, wie bei Matejko, auch das Talent gleichen Schritt hält. So malte W. Gerfon in Warfchau einen„ König Sobiesky, der in Willjanow Bäume pflanzt", und noch einen zweiten polnifchen Stoff ,,, Keiftut undWitold, Jagello's Gefangene"; ein beachtenswerthes Bild diefer Richtung brachte noch ein zweiter Warfchauer mit einem deutfchen Namen Stanislaus, König von Polen, die Künftler empfangend".
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Unter den fkandinavifchen Staaten fand fich Dänemark mit 83 Gemälden ein. Die Bilder der Profefforin Elifabeth Jerichau- Baumann- 15 an der Zahl bildeten da wieder eine kleine Specialausftellung für fich. Es war immerhin intereffant, die künftlerifche Thätigkeit diefer in früheren Jahren vielbefprochenen Malerin fo in einem gewiffen Zufammenhange zu überblicken und von einer gröfseren Wandfläche, wo die Bilder nebeneinander hingen, gleichfam ablefen zu können.
Aufser dem von Paris her bekannten Gemälde„ Die Schiffbrüchigen", welches im Centralfaal hing. waren in der dänifchen Abtheilung folgende Bilder von ihr ausgeftellt:„ Chriftliche Märtyrerinen in den Katakomben", Mutterfreude( Capri)" ,,, Hirt von der Akropolis",„ Mädchen von Hymettos",„ Fellah";" Auf den Gräbern von Memphis"," Zulma, die Favoritin", Ein dänifcher Fifcher mit feinem Kinde"," Zwei Mädchen aus dem Foundling- Hofpital",„ Liebesworte", " Amerika"," Ein Meerweib"," Porträt de Königin Olga von Griechenland", ,, Porträt des Profeffors Jerichau".
Wir hatten da fo ziemlich die Richtungen ihrer Kunftthätigkeit beifammen: die Stoffe von ernftem Gehalte, wo denn in der That ,, Die Schiffbrüchigen" von ergreifender Wirkung find; die mit einem gewiffen grofsen Sinne erfafsten Genrefiguren aus Italien, Griechenland und Egypten, die Schilderungen aus dem däni fchen Volksleben, die mythifch- allegorifche Gattung und fchliefslich das Porträt. Ich weifs nicht, zu welcher Zeit alle einzelnen Bilder gemalt find, jedenfalls ift die Manier und Technik nicht mehr vom jüngften Datum. Eine entfchloffene Kräftigkeit und markige Auffaffung geht entfchieden hindurch nebenher aber auch eine gewiffe Schärfe und Trockenheit. Das Urtheil Dr. Ad. Görling's in feiner Gefchichte der Malerei zeigte fich diefen Bildern gegenüber als richtig und zutreffend:" Ihre Leiftungen zeichnen fich durch eine für ihr Gefchlecht feltener bis zur naturaliftifchen Unfchönheit gehende Energie und Kühnheit der Charakteriſtik aus, die dort am unangenehmften auffällt, wo fie in das Gebiet der Allegorie hinübergreift." Von dem Letzteren konnten wir uns auch diefsmal überzeugen. Wir vermifsten den weiblichen Zug in den Bildern der Künftlerin, die durchaus wie ftrenge, ja harte Mannesarbeit erfchienen. Es ift fo, als ob das ganze Verhältnifs der bedeutenden Frau zur Kunft mehr in dem Willen, als in der Empfindung fich wirkfam zeigte, und doch liegt in der letzteren die eigentliche Macht des Weiblichen in der Kunft, fowie im Leben.
Sonft bot die dänifche Ausftellung neben einer Reihe tüchtiger Leiftungen, die von einer gewiffenhaften und nach verfchiedenen Seiten hin gepflegten Kunftübung Zeugnifs gaben, nicht viel des befonders Eigenthümlichen und Charakte