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Schreibunterricht : (Theilbericht der Gruppe XXVI) ; Bericht / von J. Hüpscher, Lehrer an der Handels- und naut. Schule zu Triest
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Der Schreibunterricht.

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Die Erziehungsdirection des Cantons Freiburg ftellte Vorlagecartons auf fteife Deckel gefpannt aus, in der Art wie Zeichenvorlagen an Schulen gehalten werden; die Idee, befonders da der Unterrichtsftoff gradatim geordnet, und auf die einzelnen numerirten Cartons vertheilt ift, verdient Nachahmung. Schrift und Methode find auch entsprechend.

Die Erziehungsdirection des Cantons Genf brachte Anifenfel's Exem­ples d'écriture von nicht unbedeutendem Werthe, da die Methode fortfchreitend durchgeführt und die modernen Buchftabenformen wenig zu wünſchen übrig laffen. Die Erziehungsdirection des Cantons Neuenburg exponirte Vorlagen in franzöfifcher National- Rondefchrift, fowie Lateinvorfchriften, beide gefchmackvoll und pädagogifch gut zufammengeftellt. Die Erziehungsdirection des Cantons Thurgau, deutfche Vorlageblätter für Volksfchulen von Ulrich Schoop in St. Gallen. Nach der Anficht des Herausgebers genetifch" geordnet. Die beigegebenen Ziffermufter find recht dilettantifch in der Form. Auch die Capital­und Rondefchriften find nicht fehr meiſterhaft ausgefallen. Eine Zufammenftel­lung gebräuchlicher kaufmännifcher Abbreviaturen ift anerkennenswerth.

Die Erziehungsdirection des Cantons Zürich, Schreibhefte und Schreib­vorlagen, beide gleich gut, nach Corodi's bewährtem Unterrichtsfyftem.

Laufanne exponirte Guignard's methodifch gut geordnete und praktiſch gefchmackvoll ausgeführte Lateinvorfchriften. Andere Lateinvorfchriften von Bertholet verdienen ihrer Einfachheit und gediegenen Ausführung wegen alle Anerkennung.

Schulbänke nach Dr. J. Frey's Angabe exponirte Zürich in zwei Exemplaren mit abgefonderten und verbundenen Rückenlehnen zum Höher- und Niederfchrauben, Vorleiften zur Aufbewahrung der Schiefertafeln und fehr fchräger Schreibplatte.

Italien.

Mit klarer Einficht begriff das kaum freiaufathmende Italien die Noth­wendigkeit einer befferen Volkserziehung und mit Energie fing es an, die geiftige Lethargie von dem im Knechtfinn und pfäffifcher Verkommenheit verfunkener Nachkommen der Medicäer zu verfcheuchen und mit allen ihm zu Gebóte ftehen­den Mitteln neues geiftiges Blut in die entnervten Volksadern zu leiten.

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Ein höchft erfreuliches Zeugnifs der glücklichen Cur gab dem Genius Italiens die Wiener Weltausftellung. Die grofsen Völker- Wallfahrten zu den Kunftwerken und Geiftesfchätzen in den Praterauen, wo Italien wahrlich nicht den letzten Rang behauptete nun fie find unftreitig auch lehrreich und auferbaulich, und wer echt frommen Gemüthes diefe Stätten betreten, wird fie gewifs nicht weniger fromm verlaffen haben. Vor welcher culturlichen Riefen­aufgabe die giovine Italia ftand, ift leicht begreiflich, wenn man bedenkt, dafs in den mittelitalienifchen Provinzen kaum 8 Percent der männlichen und in den füdlichen kaum 5 Percent lefen und fchreiben konnte. Freilich nimmt die Romantik des Meuchelmordes von Jahr zu Jahr ab, feitdem die Menfchen neben dem Gebete auch lefen und fchreiben lernen und arbeiten und fleifsig Steuern zahlen.

Nicht weniger als durch feinen Himmel und andere hübfchen Dinge ift. Italien von jeher durch feine Kakographie bekannt. Wenn die Franzofen die Sprache dahin definirten, fie fei ein Mittel, das zu fagen, was man nicht denkt, fo glaubte jeder Italiener, die Schrift fei darum erfunden, damit fie Niemand lefen könne. Und wie fich fchon zuweilen zur Bornirtheit eine eingebildete Supriorität zu gefellen pflegt, fo waren die Italiener alten Stiles auf ihre Hühnerfüfse noch ftolz. Als draftifches Beifpiel möge dienen, dafs vor etwa zwanzig Jahren ein reicher Wiener Kaufmann einen Advocaten in Mailand befchäftigte, aber trotz der