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J. Langl.
Eine Unterweifung in den gewerblichen Handarbeiten, die auf Werk- und Bauplätzen oder in Werkstätten erlernt werden können, findet jedoch an der Baugewerk- Schule nur betreffs folcher Arbeiten ftatt, welche bei dem dermaligen Stand der localen Praxis an den genannten Orten entweder gar nicht oder nur ausnahmsweife erlernt werden können.
Die Schule führte bis zum Jahre 1864 blofs Wintercurfe; mit dem Jahre 1865 wurden auch Sommercurfe eingerichtet und die Anftalt bisher noch nach verfchiedenen Richtungen erweitert. Die vorgelegten ftatiftifchen Tafeln zeigten eine ftete Zunahme der Frequenz.
waren
Aus den„ Abendfchulen" und dem" offenen Zeichenfaale" waren ebenfalls ausgezeichnete Arbeiten ausgeftellt und befonders von den Schülern des letzteren wieder virtuos durchgeführte Gypszeichnungen. Schwächer die Naturköpfe.- Auch von den Schülern des„ Sonntagscurfes für Maler" lagen aus den verfchiedenften Zweigen der Zeichenkunft gediegene Leiftungen vor.
Die polytechniſche Schule hatte die Pläne ihres herrlichen Gebäudes ausgeftellt; dann Autographien von Architekturen und die bekannte Sammlung ,, Architektonifche Studien", herausgegeben vom Architektenverein am Polytechnicum in Stuttgart. Das Inftitut zählte im Studienjahre 1871 bis 1872 eine mathemathifche Abtheilung( in zwei Claffen) und eine technifche Abtheilung mit fechs Fachſchulen.
Die Kunftſchule in Stuttgart hatte diverfe Naturftudien und felbftſtändige Compofitionen von den Schülern vorgelegt. Von letzteren fiel uns befonders eine reizend gedachte Sommerlandfchaft mit reicher Staffage und eine im Geifte Schwinds gehaltene Zeichnung zu dem Märchen„ Siebenfchön" auf. Die Studienköpfe in Oel zeigten das befte Streben. Mit fchwächeren Leiftungen war das figurale Studium repräfentirt.
Wir haben nun noch der Pflege des Zeichenunterrichtes an den Volksfchulen in Württemberg zu gedenken. Der Gegenftand wird laut einer Verfügung des königlichen Minifteriums vom 21. Mai 1870 an den Volksfchulen gelehrt, wo einerfeits das Bedürfnifs, anderfeits die Lehrkräfte vorhanden find; jedoch nur unter der Vorausfetzung, dafs 30 Wochenftunden im Gefammtunterrichte nicht überfchritten werden und die obligaten Lehrfächer keine Beeinträchtigung erfahren. Eine weitere Ausdehnung des Zeichenunterrichtes ift der befonderen Uebereinkunft der Gemeindebehörde mit dem Lehrer überlaffen. In der Regel beginnt der Zeichenunterricht nicht vor dem zwölften Jahre der Schüler, und ift als Zweck und Ziel vorgefchrieben, dafs durch denfelben die Schüler ein Verſtändnifs der Formen fowie einige Gefchicklichkeit in der Darftellung bekommen, damit der Schönheitsfinn entwickelt und geübt, anderentheils aber der Brauchbarkeit der Schüler im Leben vorgearbeitet werde. Im Reglement über das Pädagogische wird nur das eigentliche Freihand- Zeichnen( ohne Hilfsmittel) geftattet und zwar anfangs nach Wandtafeln und später nach Vorlagen, wobei durchwegs nur das ftrenge Conturzeichnen im Auge behalten wird. Die ausgeftellten Arbeiten zeigten überall ein einheitliches Syftem( v. Herdtle's Werk) und die beften Erfolge. Die Conturornamente waren in ziemlich grofsem Mafsftabe ausgeführt, was für den Zweck des Zeichnens in der Volksfchule nur dienlich fein kann.
Auch von den Lehrerfeminaren waren Leiftungen im Zeichnen ausgeftellt, und liefs fich fowohl in Freihand- als Linearzeichnen eine treffliche Lehrmethode erkennen. Es werden im Curs I Conturornamente mit Bleiftift und Feder, im Curs II geometriſche Körper in Schatten und Gypsornamente in Kreide oder Tufch und im Curs III Wandtafel- Zeichnen als Studium für den praktifchen Unterricht geübt. Im geometrifchen Zeichnen wird theils Conftructives aus der Geometrie und theils Projectionslehre in Anwendung auf Architektur etc. vorgenommen. Recht gute Arbeiten hatten die Lehrerfeminare von Efslingen, von wo auch das Situations. und Bauzeichnen vertreten war, und Gmünd ausgeftellt.