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J. Langl.
Vorlagewerke für die erfte Stufe des Unterrichtes find in letzterer Zeit in Paris maffenhaft producirt worden, und ift im Ganzen zu bemerken, dafs das Hauptaugenmerk fchon bei Beginn des Unterrichtes auf eine künftlerifche, freie Darstellungsweife gerichtet ift. Es handelt fich dabei nicht und darin unterfcheiden fich die Franzofen wefentlich von den Deutfchen um die Begründung der Form, um den geometrifchen Aufbau derfelben; das Geradlinige wird rafch abgethan oder einfach überfprungen, und fogleich auf den Gegenſtand, auf das freie, entwickelte Ornament hingearbeitet, und finden überhaupt lange Contourübungen als folche felten ftatt.
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Sowie die gefammten Kunftleiftungen der Franzofen dahin ausgehen, zu intereffiren, den Moment im Brennpunkte zu erfaffen und in reicher Abwechslung das Auge anzuregen, fo finden wir auch in den erften Unterrichtsmitteln des Zeichnens fchon diefen nationalen Zug deutlich ausgefprochen. Es hat gewifs in vielen Beziehungen fein Gutes für fich, wenn in der erften Altersftufe des Kindes die Phantafie an Formen, welche unmittelbar aus dem Leben genommen find, genährt wird und das Zeichenheft zunächft den Zweck des lehrreichen Bilderbuches erfüllt, aber zugleich damit die Gelegenheit geboten ift, auf leichtem Wege die Formen nachahmen zu können. Das Intereffe für das Schöne fchon in einer Zeit anzuregen und feftzuhalten, wo mehr oder minder unbewusst die Thätigkeiten des Geiftes fich erft entfalten, ift allerdings ein pädagogifches Kunftftück; es kann aber auf ficheren Erfolg gerechnet werden, wenn fich das Belehrende dem Inftinctiven der menfchlichen Natur anfchliefst. So wie jeder andere Gegenftand bedingt auch das Zeichnen für jede Stufe eine gewiffe geiftige Reife; das Schauenlernen, als die Hauptdifciplin dafür, kann aber nur durch einen reich gepflegten, angemeffenen Anfchauungsunterricht gehoben werden.
Von den neueren Erfcheinungen für die erfte Stufe des Formenunterrichtes feien von den thätigen Parifer Verlegern hier blofs die hervorragenderen namhaft gemacht. L'ecolier Parifienne", fimples modèles de deffin avec efquiffe( Monrocq) bietet in kleinen Heften eine Collection einfacher Formen aus den verfchiedenen Fächern des Zeichnens und hat, wie das Motto auf dem Titelblatte fagt, den Zweck, die Hand im Linienziehen zu unterrichten und das Auge für die Form zu erziehen. Die Figuren find in kräftigen Contouren durchgeführt und daneben( rechts) im feinen Rifs, welcher anfangs blofs nachzuziehen ift; in der Folge wird dann das Copiren felbftftändiger. Staunenswerth ift der Preis, zu welchem die Hefte( bis jetzt 60) im Handel erfcheinen, à: 10 Centimes.
In ähnlicher Weife, aufserdem aber noch mit kurzem, erläuterndem Texte verfehen, find die Hefte Le deffin pour tous",( Methode Caffagne) eingerichtet. Das ganze Werk geht zwar weit über das Darftellungsvermögen der Kinder, für die es beftimmt ift, hinaus, befonders wäre diefs bei den Etudes du genre zu bemerken, aber der Zweck ift eben, mehr das Auge als die Hand für die Formen zu erziehen und vorzugsweife diefes mit dem Wichtigften und Schönen aus Kunft und Natur bekannt zu machen. Dafür erfcheint in der für den Formen- und Zeichnen unterricht überaus thätigen Verlagshandlung Monrocq frères überdiefs das Journal:„ Le petit artifte"( jeden 1. und 15. des Monats), in welchem in buntefter Abwechslung aus allen Gebieten des Zeichnens Motive mit kurzem Text vorgeführt werden. Wer die bisher erfchienenen Bände durchblättert, wird anerkennen müffen, dafs fowohl die Wahl als die mitunter ganz künftlerifche Ausführung der Objecte danach angethan ift, für den Formenunterricht anregend und zweckdienlich zu wirken. Um das Kind für die Nachahmung der Formen zu intereffiren, find auch Luzanne's Schiefertafel- Vorlagen ein ganz empfehlenswerthes Mittel. Die Zeich nungen find auf der linken Hälfte der Fläche roth ausgeführt und werden durch eine vertical aufgeftellte Glasplatte auf die andere leere Hälfte gefpiegelt, wo die Hand des Zeichners die Contouren dann nachfährt.
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Die„, Cahiers d'enfeignement pratique du deffin, par J. Carot", die„ Cahiers esquiffes de deffin d'ornement, par A. le Béalle", fowie die Arbeiten von