Dokument 
Der Zeichen- und Kunstunterricht / von J. Langl
Entstehung
Seite
64
Einzelbild herunterladen

64

J. Langl.

das Streben nach einem einheitlichen Principe im Geifte der Reform überall offenbaren. Hervorragend waren die Leiftungen nicht zu bezeichnen; fie liefsen im Ganzen kühl. Die Leitung des Mufeums hatte an einer Tafel die Claffen­eintheilung des Inftitutes dargestellt und gefucht, wo möglich von jeder Branche Etwas zu exponiren. Dadurch wurde eigentlich das Bild der Thätigkeit der Schule zerftückelt; denn zwei bis drei Blätter aus einer Specialabtheilung konnten diefe wenig charakterifiren. Auch war es verfäumt, die Programme des Inftitutes feit 1867 aufzulegen, wodurch das Fragmentarifche der Ausstellung hätte ergänzt werden können. Nur mit Mühe konnte der Lehrgang in der vor­bereitenden Claffe verfolgt werden. Es waren davon Contourornamente nach Plaftik, dann fchattirt in Sepia und gezeichnete geometrifche Modelle in Kreide vorhanden. Von den höheren( Special-) Claffen waren Copien nach Original­modellen in diverfen Stilen, Naturfludien und felbftftändige Compofitionen aus­geftellt; das Befte darunter waren die Entwürfe in Flächenverzierungen für Tapeten, Stoffe etc. Die Blume wird mit Sorgfalt ftudirt und in edler Weife zum Ornamente benützt; nur hie und da, befonders bei den Muftern für Fächer", erinnerte ihre Verwendung an den franzöfifchen Gefchmack. Die Compofition des Ornamentes bezieht fich ftets auf den fertigen Gegenſtand und ift der Zweck der Verzierung immer im Auge behalten.

Eine geringere Rolle spielte unter dem Ausgeftellten das figurale Zeichnen. Obfchon einige antike Statuen an forgfältiger Ausführung nichts zu wünſchen übrig liefsen, war deffen Schwäche fchon offen in den anatomifchen Studien ( nach dem Discuswerfer) blofsgelegt.

Von Naturftudien( Acten) waren nur wenige Blätter ausgeftellt.

An Plaftifchem fanden fich nur einige Ornamente und figurale Reliefs, ohne befondere Bedeutung. Das Befte darunter war ein Relief des( anatomifchen) Discuswerfers, an welchem die Formen correct und wahr dargestellt waren.

Vom Linearzeichnen lagen Projections- und Perſpectivftudien, Einiges vom Mafchinenfach und hübfche Architekturen auf, unter denen ftilvolle Zimmer­decorationen befonders hervorzuheben find. Eine Reconftruction des Lyfikrates­Denkmals zu Athen, die fich mit geringen Abweichungen an den Entwurf Hanfen's hielt, verdient der netten, forgfältigen Durchführung wegen Er­wähnung.

Das Hervorragendfte jedoch, was das Inftitut ausgeftellt hatte, beftand in den Radirungen, die von den Schülern nach Gegenftänden des Muſeums für den Zweck der Vorbereitung ausgeführt wurden. Die ungemein reiche Collection enthielt Blätter von grofser Schönheit; defsgleichen verdienen die von der Anftalt publicirten Chromolithographien nach dem Originale des Muſeums ungetheiltes Lob. Es feien hier auch die von dem talentvollen E. F. Poynter A. R. A. componirten, decorativen Zeichnungen: Die zwölf Monate" und Die vier Jahres­zeiten" erwähnt, welche der Künftler für das Kenfigton- Muſeum( als decorative defings for the grill Room) gefchaffen.

Es wurde bereits oben erwähnt, dafs England feine auswärtigen Befitzun: gen in umfangreicher Weife auf der Ausftellung vertreten hielt. Darunter nahm Indien mit feiner Induftrie und feinen Kunftfchätzen den erften Rang ein. Intereffant war darunter die Expofition der School of Art" zu Bombay, welche Modelle und Handzeichnungen der Schüler, fo wie Photographien nach diefen zur Anfchauung brachte.

Es find ganz eigenthümliche Wege, welche an der Schule in Bezug auf Stil verfolgt werden.

So fanden fich im Modelliren und Zeichnen die Pflanze, das altindifche Ornament und europäiſche Renaiffanceformen gepflegt. Die Compofitionen, welche aus diefen drei verfchiedenen Elementen hervorgingen, zeigten nicht viel Ein­heitliches und waren meift überladen. Am gelungenften erfchienen noch die Mufter, in welchen die alten heimifchen Formen nachgeahmt waren.