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Musikalische Lehrmittel und das musikalische Erziehungs- und Bildungswesen : (Theilbericht der Gruppe XXVI) ; Bericht / von Rudolf Weinwurm, Prof. an der k.k. Lehrerinen-Bildungsanst. zu St. Anna
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Mufikalifche Lehrmittel.

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Mittelfchulen"( worunter man in Preufsen die der Volksfchule fich anfchlie­fsenden fechsclaffigen Bürger- und Realfchulen verfteht) enthält gleichfalls den Gefang als obligaten Lehrgegenftand und fchreibt die Grundzüge der einzuhal­tenden Methode gefetzlich vor. Der bezügliche, fehr intereffante Abſchnitt der Regulative lautet:

,, Gefang.

Sechste Claffe. Zwei Stunden. Stimm- und Treffübungen innerhalb des Tonumfangs von bis d. Als Tonarten kommen vorzugsweife in Betracht: G-, F- und D- dur. Die fämmtlichen Treffübungen find mit beftimmter taktifcher( zwei­und dreitheiliger) Betonung auszuführen. Als Tonzeichen dient die Ziffer. Es wird durchgehends nur in den Stärkegraden von mezzo- forte und piano gefungen. Ein­übung von etwa fechs bis acht Choralmelodien und einigen( acht bis zehn) einftim­migen weltlichen Gefängen aus dem Bereiche obiger Tonarten.

Fünfte Claffe. Zwei Stunden. Der bisherige Tonumfang wird durch die Töne und erweitert. Die Stimm- und Treffübungen erftrecken fich auf die Töne von bis f. Sämmtliche Uebungen treten in beftimmter taktifcher Form auf. Zwei-, drei- und viertheiliger Takt unter der Form von einfachen, doppelten und drei­fachen Takttheilen und Taktgliedern erften Ranges. Die Ziffer dient als Ton­zeichen.

Einübung von acht bis zehn Choralmelodien und eben fo vielen weltlichen Liedern. Alles einftimmig und im Bereiche der in Claffe fechs vorgekommenen Tonarten auszuführen.

Vierte Claffe. Zwei Stunden. Als Tonzeichen tritt die Note auf. Die Stimm- und Treffübungen werden an der C- dur- Tonleiter gemacht. Auch Gefänge aus F- und G- dur können nach der( bis jetzt noch etwas mangelhaften) Noten­bezeichnung eingeübt werden, mit der durch den Standpunkt der Kinder gege­benen Befchränkung.

Die bisherigen rhythmifchen Tonverhältniffe im Zweiviertel-, Dreiviertel­und Vierviertel- Takt werden an der Note veranfchaulicht und eingeübt.

Aus dem dynamifchen Elemente tritt poco- forte und forte nebft lindem crescendo und diminuendo auf. Acht bis zehn Choralmelodien und weltliche Lieder aus C., F- und G- dur werden eingeübt. Alles noch einftimmig zu fingen.

Dritte Claffe. Zwei Stunden. Stimm- und Treffübungen in den Tonarten C-, F- und G- dur. Der Tonumfang erhält eine Erweiterung durch die unterhalb gelegenen Töne h, a, g.

Die Töne fis und 6 in der G- und F- dur- Tonleiter gelangen jetzt zur gründ­lichen Anfchauung und Einübung. Auch die übrigen chromatifchen Töne cis, gis

etc. find vorzuführen.

Vorführung und Einübung des Dreiachtel- und Sechsachtel- Taktes nebft Einführung der Tondauer von anderthalb Takttheilen. Vorführung und Einübung der Paufen und Paufezeichen. Einführung in den zweiftimmigen Gefang.

Zehn einftimmige Choralmelodien, zehn bis zwölf weltliche Lieder, in ein­und zweiftimmigem Tonfatze.

Zweite Claffe. Zwei Stunden. Stimm- und Treffübungen in den Tonarten D-, B-, A- und Es- dur.

,

Einführung in die verfchiedenen Tempograde.

Viertheilige Gliederung der Takttheil- Noten in den bisherigen Taktarten, Vor­führung der auf viertheilige Gliederung des Takttheiles geftützten punktirten Form.

Als Stärkegrad tritt Forte hinzu.

Zehn bis zwölf theils ein-, theils zweiftimmige Choräle. Zehn bis fünfzehn zweiftimmige weltliche Lieder.

Erfle Claffe. Zwei Stunden. Es werden die bekannteren Moll- Tonarten: A-, D-, E-, G- und C- moll vorgeführt und eingeübt.

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