16
Rudolf Weinwurm.
a) fefte, gedächtnifsmässige Einübung der Choralmelodien, fowie der in der Seminarfchule vorkommenden Volkslieder,
b) Heranziehung von Duetten in fyftematiſcher Folge,
c) Einführung der oberen Abtheilung in die höheren Lagen.
V. Gefang. Dritte Claffe in befonderem Unterrichte: Elementarübungen zur Stimmbildung und zur felbftthätigen Auffaffung und Darftellung der melodifchen, rhythmifchen und dynamiſchen Tonverhältniffe. Choräle und Volkslieder, erftere einftimmig, letztere ein-, zwei- und dreiftimmig.
Aufserdem: Gemifchter Chor combinirter Claffen.
Weiterführung der Elementarübungen, und zwar a) in eigentlichen, als felbft. ftändige Tonftücke ausgeprägten Vocalifen und Solfeggien, b) in mehr und mehr eingehender Behandlung der Intervalle, befonders aber auch der Accorde und ihrer verfchiedenen Geftalten.
Fefte Einprägung der gangbarften Kirchenmelodien. Mehrftimmige Choräle. Figuralgefänge:
a) die liturgifchen Chöre, welche die erfte Claffe auch dirigiren lernt; b) andere geiftliche Chorgefänge, Motetten, Pfalmen von claffifchen Meiftern; c) weltliche Chorlieder unter befonderer Betonung des edleren Volks- und des Vaterlands- Liedes.
Erfte Claffe in befonderem Unterrichte: Methodiſche Anleitung zur Ertheilung des Gefangunterrichtes in der Volksfchule, verbunden mit prakti fchen Uebungen. Ausführung von gemifchten Chorgefängen in Gemeinfchaft mit der Oberclaffe der Seminarſchule.
Der Unterricht hat die Ausbildung der Seminariften zu guten Gefanglehrern, zu Cantoren und Organiften zum Ziele. Die Erreichung diefes Zieles darf nicht durch die Ausbildung einzelner Zöglinge zu Virtuofen beeinträchtigt werden. Auch find die Seminariften zum Verftändniffe der Meifterwerke zu erziehen und dadurch vor der Neigung zu bewahren, in der Kirche den Gemeinden, im Unterrichte den Schülern eigene Compofitionen ftatt derfelben zu bieten.
Die Stundenzahl von je fünf für die beiden unteren, drei für die Oberclaffe ift fo zu verftehen, dafs bei Abtheilungsunterricht in den technifchen Gegenständen jede Abtheilung die betreffende wöchentliche Stundenzahl erhält."
Das Mufik- Lehramt in den preufsifchen Seminarien ift fowohl hinfichtlich des Gegenftandes als der damit betrauten Perfonen den anderen Fächern vollkommen gleichgeftellt.
An den preufsifchen Gymnafien ift, wie aus mehreren in der Ausftellung befindlichen Gymnafialprogrammen hervorgeht, der Gefang als facultativer Gegenftand eingeführt.
Um nun auf die preufsifche Collection mufikalifcher Lehrmittel überzugehen, fo fanden fich dafelbft im Ganzen 51 Werke für Gefang, II für Clavier, 7 für Violine, 13 für Orgel und 3 auf Theorie und Mufikwiffenfchaft bezügliche. Unter den Gefangswerken waren 25 Liederbücher und Sammlungen ein-, zwei- und mehrftimmiger Gefänge, Choräle u. f. w. mit fpecieller Rückficht auf Schulen, 7 Sammlungen von Gefängen für gemifchten Chor, II Sammlungen für Männerchor und 8 Werke, die auch das Methodifche des Gefangunterrichts in ihr Bereich ziehen. Die bemerkenswertheften find folgende:
Th. Drath:„ Der Gefanglehrer und feine Methode, ein Hilfsbuch für Präparanden und Candidaten des Schulamtes, für Seminariften und Lehrer beim Schul- und Privatunterrichte, zugleich auch eine Beigabe zu dem SchulLiederbuch des Verfaffers", Berlin, Stubenrauch 1865;
Th. Rode:„ Leitfaden für den Gefangunterricht, in fünf Abtheilungen und mit Rückficht auf alle Bedürfniffe von den Volksfchulen angefangen bis zu den höheren Unterrichtsanftalten und Seminarien abgefafst", Berlin, Gut tentag, 1870;
H. Bönicke:" Chorgefang- Schule"( fiehe unter Oefterreich).