a
S
Mufikalifche Lehrmittel.
15
der allgemeinen Mufiklehre und Harmonienlehre, und dafs bei Beurtheilung diefer Leiftungen ein ziemlich ftrenger Mafsftab angelegt wird, z. B. ,, der Präparand foll im Clavierfpiele fämmtliche Dur- und Moll- Tonleitern mit dem richtigen Fingerfatz feft einftudirt haben, einige leichte memorirte Stücke, Etuden, Sonatinen vortragen, auch leichte Clavierfätze mit einiger Sicherheit vom Blatte ſpielen können". Das Regulativ vom 15. October 1872 beftimmt für den Unterricht während der( drei) Seminarjahre Folgendes:
i
e
1
,, Mufik.
I. Clavierfpiel. In der dritten Claffe rein techniſche Uebungen für Anfchlag und Geläufigkeit; eigentliche Etuden in einer Stufenfolge, wie fie in den befferen Clavierfchulen gegeben ift; freie Tonftücke; auffteigend etwa von den Clementi'fchen Sonatinen in einer Reihe, worin neben bewährten Aelteren auch das berechtigte Neue Vertretung findet.
In der zweiten Claffe Fortfetzung der Etuden; bei befonders begabten und geförderten Schülern felbft bis zum Cramer'fchen Werke hin; Sonaten von claffifchen Meiftern wie Mozart, Beethoven, Haydn u. f. w. nach einer vom Lehrer zu treffenden progreffiven Anordnung.
In der erften Claffe bleibt das Clavierfpiel Privatübung.
II. Orgelfpiel. Der Seminarift hat von Claffe zu Claffe in der eingeführten Orgelfchule nach dem Mafse feiner Begabung und feiner Vorbildung fortzufchreiten. Ausserdem fallen jeder Claffe noch allgemeine Aufgaben zu,
nämlich:
Der dritten: Fortgefetzte Uebung fämmtlicher Nummern des eingeführten Choralbuches;
der zweiten: Einfpielen der in der Harmonielehre analyfirten und transponirten kleinen Orgelfätze, Abfpielen derartiger Stücke vom Blatte. Sichere Aneignung eines Vorfpieles zu jedem gebräuchlichen Choral, als Ausrüftung für würdiges gottesdienftliches Orgelfpiel;
der erften: Choral- Transpofition, Uebung im Moduliren, Erfinden kleiner Choraleinleitungen und einfacher Zwifchenfpiele.
III. Harmonielehre. Diejenigen Seminariften, welche zum Organiftendienfte nicht ausgebildet werden follen, haben zwar nichts deftoweniger an dem Unterrichte theilzunehmen, aber nur das Penfum der dritten Claffe und aus dem der erften den gefchichtlichen Theil zu abfolviren.
Dritte Claffe. Aufftellung und Einübung der Dreiklänge in dur und moll, der Septimen- und Nonenaccorde nach ihren Hauptformen und den Grundgefetzen ihrer Verbindung.
Zweite Claffe. Befeftigung der Zöglinge in der Kenntnifs des harmonifchen Materials und fortwährende Verwendung desfelben im Ausfetzen von Chorälen, fowie im Analyfiren, Transponiren und Einfpielen kleiner harmoniſcher, vom Lehrer gegebener Orgelfätze. Erfter Curfus der Modulation.
Erfte Claffe. Harmonifirung des Chorals und des Volksliedes. Erfindung einfacher Choraleinleitungen, Bildung von kirchlich würdigen Zwifchenfpielen. Zweiter Curfus der Modulation. Die alten Tonarten. Einiges zur Kenntnifs der wichtigsten Formen der Vocal- und der Inftrumentalmufik. Bau und Pflege der Orgel. Einiges zur Gefchichte der Mufik.
IV. Violinfpiel. Die Seminariften werden nicht nach Jahrescurfen, fondern nach dem Mafse ihrer Fertigkeit in Abtheilungen gefondert. Jede Abtheilung hat die Aufgaben der eingeführten Elementar- Violinfchule von Stufe zu Stufe correct zu löfen. Neben diefer formalen Aufgabe find folgende in Bezug auf den Stoff und die Fertigkeit zu löfen:
2*
e
t
S
]