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Musikalische Lehrmittel und das musikalische Erziehungs- und Bildungswesen : (Theilbericht der Gruppe XXVI) ; Bericht / von Rudolf Weinwurm, Prof. an der k.k. Lehrerinen-Bildungsanst. zu St. Anna
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Rudolf Weinwurm.

gewiefen fei. Von den übrigen Getangs- Lehrmitteln mögen hier noch folgende Erwähnung finden:

Elfter: Gefangbuch für die Gemeindefchulen des Cantons Aargau, drei Abtheilungen;

a) für die unteren Schulclaffen oder für Kinder von 6-9 Jahren,

b) für die mittleren

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9-12

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c) für die oberen Schulclaffen oder für Schüler von 12-15 Jahren und für diefelben Claffen der Bezirksfchulen. Davon ift namentlich die erfte Abtheilung mit gut gewählten und methodiſch geordneten ein- und zwei­ftimmigen Liedern empfehlenswerth.

Käftlin: Lehrapparat für den Mufikunterricht aus Holz mit Schiebtäfelchen zur Veranfchaulichung der Elementarkenntniffe. Das ausgeftellte Modell koftet nach eigener Erklärung des Verfaffers 80 Francs. Der Vorzug, den die Anwendung diefes Apparates beim praktifchen Unterricht mit fich brächte, ift nach der Meinung des Referenten gegenüber einem Tabellenwerk, deffen Anfchaffung doch mit bedeutend geringeren Koften verbunden ift, nicht belangreich.

L. Kurz: Repertoire musical pour les écoles", 3 Hefte, Neuchatel. Faft fämmt­liche Nummern des Werkchens find deutfchen Urfprungs; empfehlenswerth ift das 3. Heft: Chants pour quatre voix mixtes.

J. Verfel: Reçueil de chants à trois et quatre voix égales pour les Colléges écoles moyennes et pour les premières écoles primaires." Laufanne. Auch in diefer Sammlung finden fich viele deutſche Nummern in franzöfifcher Uebertragung.

Die aufliegenden Werke von Meylan und Hoffmann zeigen, dafs in einigen Cantonen, namentlich in Genf, Neuchatel und Vaud auch die fran­zöfifche Ziffernmethode im Gefangunterricht herrfcht. Der Referent hat bereits gelegentlich der preufsifchen Abtheilung über diefe Methode berichtet und es fei demnach geftattet, auf die bezüglichen Stellen hinzuweifen.

Es finden fich noch einige weniger belangreiche Sammlungen dreiftimmiger Lieder für gemifchten und für Männerchor( darunter die weitverbreitete, obwohl mufikalifch inhaltsleere Sammlung: Das Rütli"; ferner die intereffanten Gefangs hefte für die eidgenöffifchen Sängerfefte von 1848( Bern), 1850( Luzern), 1852 ( Bafel), 1860( Olten), 1862( Chur), 1864( Bern), 1866( Rapperswyl), 1868( Solo­thurn), 1873( Luzern); fchliesslich noch mehrere ältere kirchliche Gefangbücher, Mufikdrucke und Liederfammlungen, die vom Standpunkte der Mufikgefchichte und der Typographie fehr intereffant zu fein fcheinen.

Italien.

Auf dem Gebiete der mufikalifchen Erziehung ift Italien höchft mangel­haft vertreten. Es kann wohl vorkommen, dafs man die Ausftellung des Mini­sterio dell' instruzione publica" ftundenlang durchfucht, ohne ein einziges mufika lifches Werk anzutreffen. Ob die thatfächlichen Verhältniffe des Landes damit im Einklange find, bleibe dahingeftellt. An den Volksfchulen ift Gefangunterricht nicht obligatorifch; wie weit die Pflege der Mufik an Lehrer- Bildungsanftalten geht, darüber fehlen gefetzliche Beftimmungen und es dürften, wie dem Referen­ten verfichert wurde, hier ähnliche oder gleiche Verhältniffe obwalten, wie in Frankreich. Unter den wenigen in der Collection des Minifteriums befindlichen Leiftungen auf diefem Gebiete heben wir die Werke von Varifco hervor, die zwar den Ansprüchen, mit welchen der Deutſche an derartige Leiftungen heran­tritt, nicht vollſtändig genügen, jedoch in Oberitalien ziemliche Verbreitung gefunden haben und beim Schulunterricht in mehreren gröfseren Städten in Ver­wendung ftehen. Wie grofs und ftaunenswerth die natürliche Begabung des