Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht.
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Der Präfident ertheilte dem Herrn Moldenhaver aus Kopenhagen das Wort.
Auch diefer Redner fpricht für Gründung von Blinden- Vorfchulen, da der Unterricht der Blinden, der auch die gewerbliche Ausbildung in fich fchliefst, auf eine zu kurze Zeit zufammengedrängt werde. In Kopenhagen befteht ein Verein, der fich zum Ziele gefetzt hat, eine Blinden- Werkflätte zu errichten. Der Verein verfchafft den Blinden die Arbeit und zahlt ihnen ihren Verdienft wöchentlich aus. Aehnliche Werkftätten beftehen in Edingburgh und London.
Oberinfpector Bittner aus Dresden fpricht fich dahin aus, dafs die Blindenanftalten nicht die gewünfchten praktifchen Refultate aufweifen, weil fie einerfeits mehr Blindenfchulen als Blinden- Erziehungsanftalten find, andererfeits, dafs der Staat fich der Blindenanſtalten gar nicht annimmt, wie es doch feine Pflicht wäre, fondern diefelben immer auf die Privat- Wohlthätigkeit verweift.
Auch Herr Director Schäfer aus Friedberg beklagt fich darüber, dafs in Heffen die Blindenanſtalten feit ihrem Beftehen nur von milden Beiträgen erhalten werden müffen.
Anders ift es in Dänemark. Hier deckt der Staat die Koften für die Inftitutszöglinge, welche nicht felbft zahlen können.
Wilhartitz ftellt den Antrag: Der Congrefs wolle befchliefsen, die Staaten follen die Blindeninftitute übernehmen und für die intellectuelle, techniſche und mufikalifche Ausbildung der Blinden forgen. Auch Ohlwein aus Weimar meint, der Staat müffe für die blindgebornen Kinder und für Errichtung von Blinden- Werkflätten forgen.
Herr Henri Lavanchi aus Kairo behält fich das Wort vor.
Der Vorfitzende bemerkt, dafs die Frage am dritten Verhandlungstage noch zur Sprache komme, worauf die Debatte gefchloffen wurde, und Herr Director Pablafek aus Wien das Wort erhielt zum Vortrage über Mufikunterricht.
Durch einen wohl durchdachten, gediegenen Vortrag tritt Redner für die Ertheilung des Mufikunterrichtes ein. Er weift, auf gemachte Erfahrungen gegründet, die trefflichen Erfolge diefes Unterrichtes nach, bekämpft fchon von vornherein Einwendungen, die gegen den Mufikunterricht gemacht werden könnten, und citirt eine Reihe von darauf bezüglichen Artikeln aus dem„ Heilpädagog", den Jahresberichten der Blindeninftitute und aus verfchiedenen Fachblättern und anderen Zeitfchriften. Schliefs lich ftellt er folgende Thefen zur Annahme auf:
1. Soll der Mufikunterricht ein Lehrgegenftand in der Blindenfchule fein? 2. Ift er blofs auf den Gefang zu befchränken?
3. Ift er blofs auf Gefang, Clavier und Orgel auszudehnen?
4. Ift er auch auf andere Inftrumente auszudehnen?
Nachdem Pablafek noch den Antrag ftellte: Der Congrefs möge die Gründe für die Unbedenklichkeit des Mufikunterrichtes und der Mufikinftrumente in Erwägung ziehen, und im Einklange mit dem Befchluffe des amerikaniſchen Congreffes anerkennen, dafs die Mufik als äfthetifches Bildungsmittel, als Quelle der Erheiterung und des Erwerbes einen Hauptgegenftand bilde, und nach Mafsgabe der zu Gebote ftehenden Mittel, Lehrkräfte und örtlichen Verhältniffe auf tragbaren und nicht tragbaren Inftrumenten zu lehren fei, wurde zur Debatte über die aufgeftellten Thefen gefchritten.
Die vierte Thefe wurde angenommen, wodurch die übrigen entfallen. Dazu wird noch beftimmt, dafs jeder blinde Zögling auch ein Handwerk
erlernen foll.
Herr Reinhardt aus Dresdes erftattet eingehend Bericht über das Blinden- Unterrichtswefen in Sachfen.
Sachfen befitzt eine Blindenvorfchule, ein Blindeninftitut und damit verbunden die Verforgung der erwachfenen Blinden, jedoch aufserhalb des
Inftitutes.