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Naturgeschichtliche Lehrmittel ; Mathematische Lehrmittel : Bericht
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Dr. Alois Pokorny.

Unterricht. Defsgleichen waren in den Gruppen III bis IX häufig neben den Er­zeugniffen der verfchiedenen Induftrien die Rohproducte ausgeftellt und ebenfo enthielt die Gruppe XII( Graphifche Künfte) äufserft Werthvolles für den natur­gefchichtlichen Unterricht. Manche Pavillons, wie der des Fürften Schwarzenberg und der Pavillon der öfterreichifchen Handels- Marine, enthielten koftbare Mufeal­Sammlungen und ebenfo fand fich in den verfchiedenen Schul-, Wohn- und Bauern­häufern beachtenswerthes Material. Erwähnen wir noch kurz des Reichthums an lebenden Pflanzen und Thieren, den die Weltausftellung theils bleibend, theils temporär befafs, fo wird erft die Bedeutung derfelben als eines koloffalen und höchft inftructiven Muſeums in naturgefchichtlicher Beziehung klar.

Bei diefer Fülle von Stoff kann der Bericht fich nur auf eine gedrängte Ueberficht des für den eigentlichen Unterricht wichtigſten naturgefchichtlichen Materiales befchränken. Es wird hiebei von den naturgefchichtlichen Lehrbüchern und den Lehrzielen und Lehrplänen diefes Faches an den verfchiedenen Schulen und in verfchiedenen Ländern abgefehen. Was hingegen die Ausftellung an eigent­lichen naturgefchichtlichen Lehrmitteln bot, läfst fich in drei Hauptgruppen fondern:

I. Abbildungen, II. Modelle, III. Naturkörper. In jeder Haupt­gruppe wird mit dem elementaren Unterricht begonnen. Eine ftrenge Sonderung der Objecte für diefen, fowie für den mittleren und höheren Unterricht ift fchon defshalb nicht leicht durchführbar, weil hier viele Objecte auf den verfchiedenen Stufen des Unterrichts mit gleichem Nutzen verwerthet werden können. Doch wird auch in jeder der Hauptgruppen eine Dreitheilung des Unterrichtes und feiner Lehrmittel fich annähernd und in Uebereinstimmung mit anderen Special­berichten des Unterrichtswefens ergeben.

Abbildungen.

Unter den naturgefchichtlichen Abbildungen zu Unterrichtszwecken nehmen die auf den Maffenunterricht hinzielenden Wandtafeln den hervorragendften Platz ein. Die Ausstellung bot nun gerade von diefen Wandtafeln fo Mannigfaches dar, dafs zunächft eine Erörterung der hier in Betracht kommenden allgemeinen Gefichtspunkte nothwendig ift, um das vorhandene Material gehörig fichten und

verwerthen zu können.

Die naturhiftorifchen Wandtafeln verfolgen zwei verfchiedene Hauptrich­tungen. Die einen haben den Zweck, einzelne oder wenige zufammengehörige Objecte in möglichft grofsem Mafsftabe und möglichft grell darzuftellen, um als Hilfsmittel beim Unterricht felbft benützt zu werden. Es find gleichfam Illuftrationen des mündlichen Vortrages, die auf die Ferne und ein grofses Auditorium berech­net find. Die zweite Art folcher Wandtafeln verfolgt den entgegengesetzten Zweck, möglichft Viel im kleinften Raum zufammengedrängt zu bieten. Die einzelnen Figuren fallen fodann felbſtverſtändlich klein aus und können nur in der Nähe deutlich gefehen werden. Solche häufig auch mit Text verfehene Wandtafeln dienen hauptfächlich zur Wandzierde und zur gelegentlichen Einzelbetrachtung aufserhalb der Schulzeit, alfo mehr zur Selbftbelehrung, als zum Maffenunterricht.

Die Art der Ausführung naturgefchichtlicher Wandtafeln ift felbft aufser­ordentlich mannigfach. Alle graphifchen Künfte, vorherrfchend allerdings der billige Steindruck, vereinigen fich hier. Holzfchnitte, Kupferftich und Stahlftich, Naturdruck und Photographie finden mannigfache Anwendung. Ebenfo ift die Manier der Zeichnung, insbefondere die Anwendung der Farben, fehr ver­fchiedenartig.

Es läfst fich im Allgemeinen nicht entfcheiden, welche Art von Wand­tafeln die vorzüglichften find, da es hier in erfter Linie auf den Zweck des Unter­richtes und auf die Art der Verwendung ankommt. Aufser der graphifchen Dar­