Akte 
"Meine Reise nach Ägypten" Carl Junker, 1847
Entstehung
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der auch etwas deutsch sprach, führte uns ins Kaffehauswelches sich am Hauptplatze befindet und von Offizie-re wimmelte.- Unter letztern traff Herr Con-stantini einen bekannten Lieutnant Baron Lich-tenberg1, der so gefällig war sich unser anzuneh-men und uns die Festung zeigte.- Kaum hattenwir die höchste Citadelle erstiegen so hörte ichzu meinem nicht geringen Erstaunen ein sehr un-harmonisches Läuten aller Glocken dem einSchießen mit Kleingewehren aus allen Dach-fenstern der Stadt folgte.- Der Herr BaronLichtenberg klärte uns über dieses Ereignißdahin auf indem er uns sagte, daß so die Aufer-stehung Christi gefeiert wird.2- Nachdem wiruns an dem herrlichen Anblicke des stürmischenMeeres und der Stadt ergötzt hatten,- verlie-ßen wir diesen Ort um uns eine türkische Ca­ ravanne anzusehen die so eben vor der Mauerder Stadt anhielt um hier ihre Waaren auszu-tauschen oder zu verkaufen.- Wir gingen alsoauf den zu diesem Zwecke sich befindlichen Platzder durch ein Parapet von ungefähr 2 Schuh höhe
in 2. Theile getheilt ist.- Auf dieser Mauer undhinter derselben saßen die Türken die Beine überkreuz3 und rauchten ihre Tschibuck 's4 während sieKorn und andere Sachen zum Verkaufe anbothen.Das Geld wurde der Quarantinne halber, mit Schau-feln hinübergegeben und so empfangen, wo es nochmit Wasser bespült wurde.- Eine Unzahl vonBettlern in dem elendesten Zustande begleite-te diese Caravanne und sahen mit mittleid erre-genden Blicke zu uns herüber.- Wir kauftenBrod, ließen es zertheilen und der Menge aus-theilen, die mit einem Jagdhund ähnlichen Hungerdarüber herfielen.- Man sah hier keine Geistli-chen.- Nachdem wir uns hier entfernt hatten,gingen wir in ein Gasthaus und wollten Biertrinken, wir wollten, konnten aber nicht.- eswar zu schlecht.- Um unsere Erkenntlichkeitgegen Herrn Lichtenbergs Gefälligkeit an denTag zu legen, ladeten wir ihn zum Speisen ansSchiff, wo wir dann Makau spielten und unsAbends noch damit unterhielten, daß wir HerrnLichterberg ans Land begleiteten und uns auf

  1. Eventuell könnte es sich um den Hauptmann Freiherr Emil von Lichtenberg handeln.

  2. Junker war genau zu den Osterfesttagen in Dubrovnik und äußert sich hier abwertend gegenüber dortigen Bräuchen.

  3. Der sogenannte "Türkensitz", häufig mit dem „Schneidersitz“ oder der „Lotusposition“ verglichen entstammt dem Deutschen und spiegelt europäische Vorstellungen über die Sitzgewohnheiten im Osmanischen Reich und im Nahen Osten wider, wo das Sitzen auf Teppichen oder Kissen traditionell verbreitet war. Tatsächlich sind die verschiedenen Sitzhaltungen der türkischen Stämme von buddhistischen und taoistischen Traditionen beeinflusst und zeigen oft den Status in einem zeremoniellen Rahmen des Hofes an. Die europäische Rezeption dieser Sitzhaltung war jedoch nicht neutral: Sie wurde in unterschiedlichen Kontexten mit kulturell aufgeladenen Bedeutungen wie Despotismus oder Faulheit assoziiert.

  4. Junkers Bildwahrnehmung ist von seiner westlichen Kultur und Sozialisation geprägt. Der im Kreuz- oder Schneidersitz oder auch liegende “Tschubuk-Türke“, der eine lange Tonpfeife („Tschibuk“ ) raucht, war seit dem 18. Jahrhundert ein wohlvertrautes Reklamesignet der Wiener Tabaktrafiken, oft in Form einer geschnitzten und bunt bemalten Holzfigur. (vgl. Wien Museum - Online Sammlung Geschäftszeichen eines Kaffeehauses)