- 3-
-
besteigung des 3aren Nikolaus bald als Feind, bald als wohlwollender Beschützer, aber immer mit demselben 3iele, aufgetreten ist, und dabei die Sphäre seines Einflusses immer weiter ausgedehnt hat. Dagegen ist die Politik der westlichen Großmächte vielfach wechselnd; bald überwiegt der Einfluß Englands, bald der Frankreichs, ihre Haltung wird aber wesentlich bestimmt durch zwei Gesichtspunkte: England will auf seinem Wege nach Indien keine Macht aufkommen lassen, die ihm da entgegentreten könnte, während Frankreich, nachdem es in Algier festen Fuß gefaßt hatte, sich mit der Hoffnung trug, an der Nordküste Afrikas und in Kleinasien ein neues islamisches Reich mit geordneten Verhältnissen entstehen zu sehen, über welches ihm das Protektorat zufallen würde. Darum begünstigte es Mehemed Ali bei seinem Bestreben, aus einem türkischen Beamten sich zu einem erblichen Dizekönig von Ägypten und Syrien zu machen. Trotz der Niederlagen, die die Türken im Kriege mit Mehemed Ali erlitten hatten, zuletzt namentlich bei Nissib, gelang es ihnen doch mit englischer Hilfe, Mehemed Ali wieder aus Syrien herauszudrängen; ein eigenmächtig von Lord Napier mit ihm abgeschlossener Vertrag, der schließlich aber die Genehmigung des Sultans und der Großmächte fand, ordnete die Sukzessionsfrage dahin, daß die Regierung von Ägypten von einem Mitgliede der Familie Mehemed Alis auf das andere übergehen, daß aber der Sultan jedem neuen Nachfolger im Paschalik Ägypten die Investitur geben sollte; dem Vizekönige wurden jedoch gewisse weitgehende Beschränkungen bezüglich seiner Regierungsbefugnisse auferlegt. So war der französische Einfluß, auf den Mehemed Ali gerechnet hatte, aus Ägypten herausgedrängt, das Gebiet wieder auf Ägypten beschränkt und Eng= land konnte seine Herrschaft über den Weg nach Indien um so machtvoller aufrechterhalten. Einen Teil dieser Politik bildet nun auch die Behandlung der Suezkanalfrage.
Schon seit Jahren hatte sich für das Londoner Kabinett die Notwendigkeit einer leichteren und direkteren Verbindung mit den ostindischen Besitzungen geltend gemacht, und selbstverständlich mußte in dieser Beziehung die Straße über Ägypten und durch den arabischen Meerbusen in erster Linie in Erwägung kommen. Die wiederholten Anträge aber an den gegen England mißtrauischen Vizekönig führten zu keinem Resultate. Britischerseits glaubte man nunmehr nach einer andern Verbindung zwischen dem Mittel- und den südasiatischen Meeren sich umsehen zu müssen und entschied sich für die Orontes- EuphratLinie. Nach zweijährigen mühsamen Arbeiten erstattete der zur näheren
1*