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geworden sein, daß der Herzog von Montpensier, Sohn des Königs von Frankreich, die Landenge in Begleitung unseres Freundes Linant bereist hat und sich mit der Idee des Canals lebhaft beschäftigte. Einer unserer Freunde in Paris schreibt mir am 14. ds. mts.:,,Hier chez le Duc de Montpensier, où je dinais, on n'a parlé que Suez et il paraît que le Roi en rève!" Daß der Canal gemacht wird ist jetzt kaum mehr zu bezweifeln, aber wir in Deutschland müssen uns rühren, daß er nicht ohne uns und zu unserem Nachteil gemacht werde, während er uns unendlich nühen muß, wenn wir bei dessen Benutzung allen anderen gleich stehen. Therefore we must have a finger in the pie! Die Capitalisten sind in England und Frankreich häufiger, mächtiger und daher kühner als bei uns; wenn die nöthigen Geldmittel zu den gründlichen Vorarbeiten, welche etwa 250,000 fr.( franken) betragen könnten, zu dritteln aufgebracht werden sollen, so finden sich die 80/ m fr. die auf die Engländer und Franzosen kommen sogleich, bei uns aber müssen die Regierungen hierfür einschreiten und das Capital den Interessenten vorschießen, sonst kommt diese Summe nicht zusammen und die Deutschen werden aus der Unternehmung herausgedrängt. Die zu diesem Zwecke von der Regierung zu gewährende Summe wäre übrigens nur ein Vorschuß, welcher, wenn der Tanal zu Stande käme wieder erstattet werden würde; die bestätigte Teilnahme Deutscher Staaten würde aber schon eine Gewähr des Gelingens sein.
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Ich habe zu hoffen, daß die preußische Regierung sich lebhaft und andächtig für die Sache intereßieren wird und habe Herrn von Römer geschrieben um seinen Einfluß dazu anzuwenden, den Prinzen Waldemar zu veranlassen, auf seiner Rückreise von Indien die Landenge gründlich zu bereisen und durch etwa in seinem Gefolge befindliche Techniker ein Urteil über Herrn Linants Pläne abgeben zu lassen. Solche vorläufige Ansichten dürften nicht ohne Einfluß auf die Entschlüsse des Königs zur Unterstützung der Sache bleiben.
An Negrelli.
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M
USEUMS
Leipzig, 29 ten Dezember 1845.
Derehrtester Herr!
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Am 20 ten dss. Mts. hatte ich zuletzt die Ehre Ihnen zu schreiben. Eingedenk Ihrer gütigen 3usage für Besprechung der Suez Angelegenheit in den Triester und Venezianischen Blättern sorgen