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Bericht des Ingenieurs Jaẞnüger an Negrelli.
sonis
Damiette, am 6. mai 1847.
Euer Hochwohlgeboren!
Am 1. Mai war endlich die Ausrüstung des Schiffes vollendet, welches uns der Pascha für die Zeit unserer Studien an der Küste von Damiette bis Tineh, angewiesen hat, und wenn auch meine Geduld an der türkischen Langsamkeit oft zu scheitern drohte, so übertraf das Schiff selbst, als ich es zum ersten Male sah, alle meine Erwartungen. Eine Brigantine mit 18 Kanonen und 120 Leute Bemannung, schmuck herausgeputzt und mit jeder wünschenswerten Sicherheit und Bequemlichkeit herausstaffiert. Der Capitän ist ein braver und für eine Expedition ein tüchtiger Seemann. Da die Ausrüstung beendet war, benützte ich denselben Tag zu unserer Abreise um keinen Tag weiter zu versäumen. Ich hatte um 10 Uhr früh meine Abschieds- Audienz beim Pascha, zeigte demselben meine Abreise an und sprach meinen Dank für die uns gewährte Unterstützung und Schutz ergebenst aus. Er versicherte, daß er uns mehr zum Dank verpflichtet wäre, als wir ihm, weil wir uns einer so mühevollen und beschwerlichen Reise und Arbeit zum Nutzen, nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt unterzogen hätten. Er entließ mich mehr freundlich und wohlwollend als gnädig. Der H. General- Consul von Laurin war beim Abschied, wie immer sehr fürsorgend und gütig und er hat viel zur Förderung des Unternehmens beigetragen.
Der Pascha hegt das größte Interesse für Alles den Suez- Canal betreffende und der Gedanke an die Selbstausführung dieses großen Werkes beschäftigt ihn fortwährend, es ist jedoch nicht zu zweifeln, daß ihm dieser Gedanke erst von dem Augenblicke an belebte, als er in Erfahrung brachte, daß Europa oder eine Privat- Gesellschaft in Europa die Absicht hege, den Tanalbau zu übernehmen, als auf diese Weise seine Eifersucht rege wurde. Der Pascha ist sehr eitel, die Ueber= zeugung, der Bau des Canals, des größten Werkes seit Jahrhunderten könne die Unsterblichkeit seines Namens sichern, schmeichelt diesem Greise zu sehr, um nicht Alles aufzubieten, um seinen Ruhm zu vergrößern. Sollte es nicht möglich sein, ihn zu überzeugen, daß, wie ich schon bei meiner ersten Audienz darauf anbahnte, sein Name die Unsterblichkeit erreichen würde, selbst wenn der Canalbau nur unter