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Urkunden zur Geschichte des Suezkanals / von Georgi und Albert Dufour-Feronce
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ein Urtheil möglich ist ohne die Lokalität zu kennen, vollkommen ein­verstanden erklärt. Meiner Ueberzeugung, welche auch meine Freunde teilen, ist: daß der Canal durch die vereinten Kräfte der drei großen Central Europäischen Nationen ins Leben gerufen werden und als ein neutrales unter dem Schutz des Europäischen Völkerrechts stehendes Werk zum Frommen aller Völker ohne Begünstigung irgend einer Flagge bestehen muß.

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Dieses in der pecuniairen Bewilligung, wenn es so weit sein wird, leicht zu betreibende, gleiche Interesse an dem Canal, muß womöglich schon in der intellectuellen Anlage der technischen Arbeiten bei den drei Nationen begründet werden, daher wünsche ich, daß sich ein technisches Triumvirat bilde, welche alle in sein Fach schlagende Fragen zu unterstellen wären; Stephenson und Talabot sind zwei würdige Representanten Englands und Frankreichs; in Deutschland haben wir nur einen Mann, der diesen 3weien an die Seite zu stellen ist und der sie in vielen Beziehungen überragt; Negrelli. Dies ist eigentlich der Grund meiner Mitteilung; ich wollte Sie bitten ver­ehrter Herr und Freund subrosa Negrelli einige Eröffnung über diese Angelegenheit zu machen und zu sehen, ob er so wie wir alle von der Wirkung begeistert wird, welche uns die Anlage des Canals von Suez in Aussicht stellt. Wir alle sind überzeugt, daß dieses schöne Werk dem adriatischen Meere den Handel wiederzuführen wird, welcher Venedig die Macht gab, dem Vereinigten- Europa die Spitze zu bieten, daß er den Handel wieder beleben wird, der die Fugger, Welser und Medici'schen Vermögen bildete.

Gewinnt diese Ansicht in Ihnen und in Negrelli Grund, so werden Sie gewiß beide nicht ablehnen, Ihre Kräfte mit den Ihren für die Unternehmung gewonnenen Männern zu vereinigen und jeder in seinen Kenntnissen für deren Verwirklichung zu wirken. Indem man 3eit und Arbeit an eine solche Idee verwendet, darf man doch nicht verhehlen, daß man vielleicht gar keine Ergebnisse erzielen wird wenn man aber nie Arbeit an eine große Idee riskieren wollte, so würde auch nie etwas großes in der Welt gemacht werden. Es ist taum zehn Jahre, als wir in Leipzig anfingen, die Leipzig- Dresdener Eisenbahn zu projectieren; man nannte uns Träumer, man wies mit Finger auf uns.- Nicht desto weniger haben wir die Freude, den ersten Anstoß zu dem großartigen Eisenbahnneh gegeben zu haben, welches jetzt ganz Deutschland bald überziehen wird.