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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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für die Epigonen! Von den Vatern sollen sie lernen, wie sie mit Unerschrockenheit eintreten, wenn auch an sie etwa die Ehrenpflicht herantritt, für das Vaterland die Waffen zu ergreifen. Das Wort aber wird schnell vergessen die Schrift bleibt.

Es ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, daß in den Berichten der Mitkämpfer gelegentlich unwesentliche Irrtümer vorkommen die Ereignisse werden eben im Kriege indi­viduell betrachtet, und es ist eine immer wieder hervortretende Tatsache, daß auch Militär­schriftsteller von Fach sich irren oder entgegengesetzte Auffassungen vertreten. Einzelne kriegerische Erlebnisse sind in diesem Werke zusammengestellt von den Mitkämpfern so wiedergegeben, wie sie eben ihnen erinnerlich waren. Ohne Unterschied des Ranges und des Bildungsgrades wurde jedem Reiter das Wort gegönnt und wie ergreifend mitunter gerade die einfachste, kunstlose Sprache wirkt, das werden die Leser empfinden.

Nicht die Redekunst kommt hier zur Geltung. Es sollen die Kämpfe und Nöte, die Taten und Entbehrungen geschildert werden, wie sie der Heimgckehrte selbst erzählt, ohne Künstelei, ohne stilistische Mithilfe Unberufener.

Und wie der Offizier vor dem Feinde Schulter an Schulter kämpfte mit dem Reiter, mit dem Unteroffizier, mit dem Gefreiten, wie er mit diesen die letzten Tropfen teilte aus dem Wasserfalle, wenn der Durst dem Sterben nahebrachte, wie das letzte Stück Brot vom Manne dem Vorgesetzten geboten wurde, wenn der Hungertod drohte und wie der Offizier freudig den wunden Reiter auf das eigene Pferd hob, wenn's galt, sein Leben zu retten, so sollen auch hier die Erlebnisse ohne Rücksicht auf die Rangstufen veröffentlicht werden wie sie eben eintreffen.

Wenn der Humor nur in wenigen Berichten zum Ausdrucke kommt, so ist das bei dem tiefen Ernste, der ununterbrochen durch Jahre über den deutschen Truppen lag, wohl verständlich. Ein frischer, fröhlicher, einst sangcsfroher Offizier sagte mir bei seiner Rück­kehr:Gelacht habe ich in den zwei Jahren drüben im Südwesten überhaupt nicht!" Und doch fehlt es auch hier nicht an Frohnaturen, die in den ernstesten Lagen durch ihren Humor wohltuend auf die Kriegskameraden einwirken.

Mögen die Kämpfer die Gcneralsuniform oder den Nciterrock tragen gleich stehen sie da in unerschütterlicher Treue zum Kaiser und Kriegsherrn, in opferfreudiger Liebe zum deutschen Vaterlande und seinen unabtrennbaren Kolonien.

Und so wird's bleiben in den Reihen deutscher Krieger allezeit!-

Noch habe ich an dieser Stelle allen denen meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen, die mir bei der Zusammenstellung dieses Werkes geholfen haben. Insbesondere danke ich Herrn Major Maercker, dem stets hilfsbereiten Ratgeber, Herrn Hauptmann Starck, dem Verfasser des historischen Rückblickes, Herrn Oberleutnant Exn er für die Zeichnung vieler Kartenskizzen, und Herrn Oberleutnant Stuhlmann.

Berlin-Halensee.

Freiherr v. Dincklage,

Generalleutnant z. D.