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Unsere Gegner: Stamm der Hereros
Hotten
totten
Unsere
Truppe
Wie die Hottentotten hätten auf friedlichem Wege allein dauernd gewonnen werden können. Abgesehen von ihrem ausgeprägten Freiheitsdrang, der in Konflikt mit der fortschreitenden Besiedelung kommen mußte, und den autokratischen Stammesverfafsungen, die unter allen Umständen bedroht waren, bedurften beide Völker der freien Verfügung über die Weideflächen ihres Landes als Bedingung ihrer bisherigen wirtschaftlichen Existenz. Nun der Krieg alles von Grund aus verändert, die freien Eingeborenen zu Lohnarbeitern der Weißen gemacht hat, scheint es doppelt erwünscht, das Bild ihrer schnell schwindenden Stammeseigenart festzuhalten.
In dem Bantustamm der Hereros aus dem äquatorialen Afrika trat uns noch überwiegend das Ursprüngliche des friedlichen Hirten-, aber auch des wilden Naturvolkes entgegen. Ein hochgewachsener Schlag von einem gewissen natürlichen Adel, der seine Heimat liebte, die weiten Dornbuschsavannen voll Blütenduft und wogenden Grases, die in zartblauem Duft verschwimmendeu oder sich in den klaren Äther türmenden Felsenberge, und dem seine Herden mehr waren als Mittel zur Daseinsfristung. Gewiß nicht frei von schlechten Charakterzügen, die sich zumal im Verkehr mit den Weißen entwickelten; der christlichen Lehre nur sehr allmählich zuneigend, doch — wie der Aufstand bewies — voll schonender Achtung für die, die sie ihnen brachten — die Missionare. Dagegen die in dem Subtropengebiet des südlichen Afrika schon vor Generationen mit dem weißen Manne in Berührung getretenen Hottentotten, intellektuell höher entwickelt, statt Rassenreinheit eine unsympathische Mischung von natürlichen Anlagen und fremder Beeinflussung zeigend, fast durchweg einem äußerlichen Christentum ergeben, aber ohne die Ehrfurcht der Hereros vor ihren „Lehrern". Schwächlich, doch blitzgewandt, elend, aber zäh, ausgemergelt, doch treffsichere Schützen, scheinbar apathisch, doch alles beobachtend, Diebserscheinungen, aber vorzüglich beanlagte Krieger.
Wie auf den Germanenzügen das ganze Volk sich hinter der Walstatt zur Wagenburg schloß, von der aus die Weiber die Kämpsenden anfeuerten, so traten die selten berittenen, ungleich bewaffneten Hereros ins Gefecht unter dem Kriegsgesang ihrer Weiber, hinter sich das gesamte Volk und die Herden. Und wie die flüchtigen Horden des Tamerlan, schnell auftauchend und mit der Beute verschwindend, so führten in den Felswüsten und Sandfeldern ihres Landes die Hottentotten den Krieg, auf zähen Kleppern, wohlbewasfnet, von den Schlupfwinkeln her, in die sie nach den ersten Schlägen die Werften geborgen hatten. Was ist von beiden geblieben?
Das Hererovolk, vor dem Aufstande 80000—100000 Seelen, fand in der Omaheke sein Grab. Es ist auf wohl wenig über 20 000 im Schutzgebiet zusammengeschmolzen mit kaum 7000 Männern. Und unter ihnen sind nicht viele, die das Haupt noch erhoben tragen und die Erinnerung wecken an das einst freie und stolze Volk. Auch sie, sicher ihre Kinder, werden sich in das Los schicken, Arbeiter zu sein im Dienste der Weißen. Die Hottentotten, schon vor dem Kriege der Zahl nach in stetigem Rückgänge, sind in einzelnen Stämmen, der Roten Nation, den Witboois, Bethaniern und Feldschuhträgern, fast ausgelöscht. Nur die Franzmannhottentotten, die Bondelzwarts und die Bersebaer behielten den Stammeszusammenhang, insgesamt etwa 1000 Männer, mit denen zu rechnen bleibt.
Doch von den Gegnern, deren Kämpfen und Ausharren für die Freiheit wir achten, deren Leiden wir ehren, wendet sich der Blick zu dem, was uns in den Jahren des afrikanischen Feldlebens umgab, was in seiner Gesamtheit jene eigenartige Sphäre ausmachte, in der wir so bald heimisch wurden, und die uns in steter Erinnerung sein wird. — Kein ideales Fahrzeug fürwahr, der Ochsenwagen, der alten Buren Vortrekker; und doch, wie war alle Hantierung mit ihm uns so vertraut! Viel Ärger bereitend und Geduld erfordernd der brave Esel, das harte Maultier, und wie wertvoll doch waren uns ihre Dienste! Nicht zuletzt der treue Gaul, der Afrikaner, der Argentinier, der vom ostdeutschen Pflug oder von sarmatischer Weide geholte. Wie haben sie, für die es keine Rückkehr in die Heimat gibt,