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passenden Baumes und machten Feuer darunter an. Dann war morgens alles trocken. Wir behalfen uns derweile und froren im umgehängten Mantel.
Täglich um Mittag Weitermarsch — der Morgenhitze wegen.
An einem der folgenden Tage trafen wir einmal wieder auf den Feind. Major Graeser ließ abprotzen und einige Freundschaftsgrüße hinübersenden. Daraufhin keine Antwort. Wir protzten auf und marschierten weiter. Unsere Spitze war kaum in das Loch hineingekommen, und schon wurde von drei Seiten von den Bergen her das Feuer gegen sie eröffnet. Die Geschütze fuhren in Stellung, die Maschinengewehre fingen an zu feuern, und die Infanterie erkletterte so schnell wie möglich auf beiden Seiten des Users die Berge, um uns vor jedem Umgehen zu schützen. Ein unheimliches Krachen wurde hörbar — der Widerhall von dem Geschützdonner, von den hohen, zerrissenen Bergen zurückschallend, gab einen Lärm, daß man nicht imstande war, nur ein Wort von seinem Nebenmann zu verstehen. Ich bemerkte, wie mein Esel immer den Kopf schüttelte, um sich die Pfeifenden Kugeln zu vertreiben. Er dachte jedenfalls, es wären Stechfliegen. Es dauerte ungefähr drei Stunden, bis das Feuer anfing etwas zu stoppen. Die Gelegenheit benutzte unsre Infanterie, um einen Sturmangriff mit aufgepflanztem Bajonett in die Flanke des Feindes zu machen. Dieser Stoß war auch das Ende des Gefechts. Die Hottentotten zogen flußabwärts unter Zurücklassung vieler Toten. Auch einiges Vieh wurde erbeutet. Die Verfolgung wurde fortgesetzt bis zum Anbruch der Nacht. Noch ehe wir die Haltestelle erreichten, brach uns ein Rad am ersten Geschütz entzwei. Wir schleppten das unbrauchbare Geschütz bis an den Halteplatz und blieben dort liegen, bis von Aiais her ein Reserverad, auf einen Esel gepackt, hierher gebracht wurde. Am folgenden Tage marschierte die Abteilung weiter, fand aber, daß die Spuren über die Berge aus dem Fischfluß führten. Ein Maschinengewehr und 30 Reiter bekamen Befehl, die Bande weiter zu verfolgen. Die übrige Abteilung machte kehrt und traf nach zwei Tagen wieder bei uns ein. Unser Geschütz war indessen wieder marsch- sähig geworden, und wir konnten uns wieder anschließen. Fleisch war zum guten Glück immer genügend da; denn Vieh hatten wir immer genug. So traten wir also den Rückmarsch an. Müde Tiere vor den Geschützen, ging es im langsamen Treck dahin.
In Aiais angekommen, waren allerhand Lebensmittel herbeigeschafft. Auch Kleidung war da. Jedermann erhielt sein Schnäpschen, und was die Hauptsache war, jedermann hatte Post von zu Hause bekommen. Ich selbst hatte ein Paket und ungefähr zehn Briefe und Karten, darunter auch eine, welche schon ein ganzes Jahr das Land bereist hatte. Das war ein Abend am Biwakfeuer, weit von der Heimat entfernt und doch zu Hause. Einen Tag Ruhe, und dann marschierte unsre Batterie über Kanibes, Gobas nach Keetmannshoop. Da ich nun mehrere Gefechte mitgemacht habe, auch eins am 4. Januar 1905, wo mir das Militärehrenzeichen verliehen worden ist, kann ich mit Stolz zurückblicken auf eine 2^jährige Dienstzeit in der Sckmtztruppe für Deutsch-Südwestafrika bei der 1. Batterie.
Gefreiter Moßner,
Gunzenhausen (Mittelfranken), Bayern.
Mit Heldenmut und letzter Kraft!
Erlebnis und Transport eines Schwerverwundeten.
Am 4. Februar 1904 erreichten wir nach vierstündigem scharfen Ritt ungefähr 9 Uhr vormittags einen Hügel, und vor uns breitete sich die Ebene von Omar uru aus. Auf dem Hügel traf die Meldung ein, links im Flußtal stände Vieh. Sofort wurde der fünfte Zug, welchen Oberleutnant von Nathusius führte, und zu welchem auch ich mit gehörte, nach dort geschickt, um den Hereros das Vieh abzutreiben. Nach kurzem Gefecht kamen wir auch bald in den Besitz der Herden.