Hauptmann Franke war unterdessen mit der Kompagnie weiter Nach Omaruru vorgedrungen. Nachdem wir nun das Vieh in Sicherheit gebracht hatten, erhielt ich Befehl, zurückzureiten, um den Ochsenwagen zu holen. Der vierte Zug war dem Wagen als Bedeckung beigegeben, und dieser hatte Befehl, der Truppe langsam zu folgen.
Kaum war ich wenige Kilometer geritten, so merkte ich, wie sich zahlreiche Hereros an den Weg heranzogen. Es war kein Zweifel, daß diese dem Wagen auflauerten.
Ich wollte nun denselben Weg wieder zurück, den ich gekommen war. Aber es sollte mir bald klar werden, daß die Hereros mir auch hier den Weg versperrten. Ich überlegte nun kurz, was hier zu tun sei. Nach rechts oder links konnte ich nicht ausweichen, da alles dichter Dornbusch und Felsgeröll war. Ich konnte zu keinem andern Resultat kommen, als einfach auf dem Wege selbst durchzubrechen. Ich gab meinem Pferd die Sporen, und mit Hurra ging es durch.
Die Hereros empfingen mich mit einem mörderischen Feuer. Eine Kugel streifte und verletzte leicht das rechte Schulterblatt, während eine andere mir mehrere Rippen sowie das linke Schulterblatt völlig zerschmetterten und die linke Lunge verletzten. Nur mit der größten Anstrengung vermochte ich mich noch auf dem Pferde zu halten. Aber ich kannte das Schicksal, das mich erwartete, wenn ich jetzt nicht meine Energie zusammennahm. Also die Zähne aufeinander und, vorwärts. Die Geschosse pfiffen mir um die Ohren — ich erwartete die Kugel, die der Freude am Leben ein jähes Ende machen würde. Aber — bis sie kam, wollte ich ausharren.
Zu meinem größeren Schrecken merkte ich, daß die Kräfte meines Tieres immer mehr und mehr versagten. Ich arbeitete mit den Sporen, was ich tun konnte, um das Pferd immer noch anzutreiben und ritt auf ein altes Eingeborenenhaus los, welches ich auch bald erreichte. Dort angekommen, kamen einige meiner Kameraden herausgesprungen und nahmen mich in Empfang. Ich war vorläufig gerettet, denn der Feind folgte nicht weiter, aber ich hatte bei dieser Sache zwei Schüsse erhalten, und mein treues Tier hat mich, trotz vier erhaltener Kugeln, bis dorthin getragen.
Zufällig war unter meinen Kameraden, die sich in dies Haus zurückgezogen hatten, ein Sanitätssoldat. Er verband mich nun, so gut wie es eben ging, und dann wurde beratschlagt, wie ich wohl am besten bis Omaruru zu transportieren sei. Ein Wagen oder Tragbahre stand nicht zur Verfügung. Es setzte sich dann ein Feldwebel auf sein Pferd, und mich packte man auf den Pferdehals. Aber nur eine kurze Strecke waren wir geritten, da lag ich wieder auf der Erde.
Nun wurde das Pferd abgesattelt, und von der Decke und zwei Gewehren eine Tragbahre hergestellt. Auf diese Weise brachte man mich nach Omaruru. (Man vergegenwärtige sich diesen Transport eines Schwerverwundeten, denke an die grauenvollen Schmerzen und den Sonnenbrand während der weiten Tour! Der Herausgeber.)
Nach monatelangem Krankenlager und mehreren Operationen genas ich, dank meiner sonstigen guten Körperkonstitution, so daß ich im Oktober eingeschifft werden konnte, um nach Deutschland zu fahren.
In Hamburg angekommen, fand ich Aufnahme im Garnisonlazarett Altona. Dort wurden wieder mehrere Operationen vorgenommen, so daß mir Teile mehrerer Rippen, sowie fast das ganze linke Schulterblatt und Teile der linken Lunge entfernt worden sind. Als Auszeichnung erhielt ich das Militärehrenzeichen II. Klasse.
Adolf Hofmann,
ehemaliger Reiter der südwestafrikanischen Schutztruppe.
Leutnant Freiherr von Erffa, welcher Augenzeuge war und später bei Onganjira gefallen ist, schreibt darüber in einem Briefe an seinen Vater:
„Da sprengt, wie rasend, vorn Wege, den wir gekommen sind, ein Reiter an. Ich sehe, wie er sich krampfhaft an die Mähne klammert — ein Hagel von Geschossen begleitet ihn. Jetzt biegt er um das Haus, wo unsere Pferde notdürftig gedeckt sind und fällt vom Pferde in unsere Arme! sprechen kann er nicht mehr! — Sein Pferd ist über und über mit Blut bedeckt und bricht bald zusammen. Er selbst hat zwei Schüsse durch den Rücken,' es ist der Reiter Hofmann, der unseren Wagen entgegengeschickt worden ist" usw.
Ter Herausgeber.