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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Plötzlich fällt ein Kanonenschuß (von der Haibbatterie von Boetticher, d. H.), das Geschoß schlägt mitten im Lager ein, und jetzt erst stürmen die Hottentotten im wilden Durcheinander aus ihren Hütten. Wir eröffnen das Feuer, das aber nicht unbeantwortet bleibt, und sofort pfeift es auch schon zwischen und über uns.

Ein Teil der Feinde versucht in Eile das Vieh und die Pferde zusammenzutreiben, andere hängen Ziegenfelle und Decken um und suchen, auf allen vieren kriechend, in dem Glauben, wir würden sie für Kleinvieh halten und nicht beschießen, aus unserm Feuer zu entkommen.

Unser Zug (Leutnant Creutzburg) war durch einen Felsenvorsprung von der Kom­pagnie getrennt worden, als auch Herr Major Maercker zu uns kommt und uns zuruft: Halbrechts marsch, marsch!" Auf abfallendem Hange läuft er mit uns unter heftigem Feuer der Schlucht zu; ein Mann bricht getroffen zusammen, dem Herrn Major reißt eine Kugel die Kokarde vorn Hut. Als wir ungefähr auf 80 Meter an die Schlucht heran sind, sehen wir zahlreiche Hottentotten, die sich in einem Gebüsch versteckten und auf uns feuerten. Major Maercker kommandiert selbst Salven dorthin und ruft uns noch zu:Das Feuer hübsch verteilen, wie ihr es zu Hause gelernt habt!", als er auch schon, durch die Schulter getroffen, umsinkt.

An Ort und Stelle versuchte ich Notverband anzulegen, mußte es aber, da wir zu heftig beschossen wurden und von einschlagenden Kugeln zahlreiche Steinsplitter umherflogen, aufgeben und den Herrn Major in Deckung bringen.

Ich kehrte zur Schützenlinie zurück, die eben, da das feindliche Feuer aus der Schlucht nachließ, in dieselbe hinabstieg; hier kam es noch an einigen Stellen zum Handgemenge.

Sobald das Geschützfeuer eingestellt war, kletterten wir die gegenüberliegende Felswand, zur eigentlichen Stellung des Feindes, empor. Aber je näher wir dem Rande kamen, desto heftiger wurde das Feuer. Aus allen Felsspalten stiegen die weißen oder doch die rasch verflogenen bläulichen Wölkchen des rauchschwachen Pulvers auf. Hinter jedem Felsblock lagen Hotten­totten völlig gedeckt, und wer von uns nur für des Gedankens Kürze sich zeigte, den erreichte sicher das tödliche Geschoß. So blieben wir denn liegen und waren andächtige Zuhörer einer über unsern Köpfen pfeifenden Musik.

Wir lagen, die Köpfe fest an den Boden gedrückt, und gaben einzelne Schüsse nach den Felsspalten ab, bis ein Holsteiner mit den Worten:Ach wat, lat se man schießen!" zuerst aufsprang. Als wir den Rand erklommen hatten, hatten bereits die letzten feindlichen Schützen, ihren Weg mit gräßlichen Blutspuren be­zeichnend, die Stellung verlassen. Bald darauf ertönte das SignalSammeln", und Nubib ward erstürmt.

Unser Zug war zuerst in die feindliche Stellung eingedrungen, das ist auch von höherer Stelle an­erkannt worden.

Es war ein wildes Gelände, in dem wir uns Vizeseldwebel G. Nikolaus. befanden. Unsre Gefallenen wurden an Ort und

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