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herrührten. Der Wasservorrat, den wir von Otjimanangombe mitgenommen hatten, ging im Laufe des Tages zu Ende, und an frisches war nicht zu denken.
Nachdem am 28. des Nachmittags die Hitze sich etwas gelegt hatte, wurde wieder aufgebrochen. Fußmannschaften von der 1. Kompagnie und ein Munitionswagen der 7. Batterie blieben zurück. Die ganze Nacht hindurch wurde marschiert, ohne Wasser anzutreffen. Die Kräfte bei Mann und Tier ließen nach, besonders bei Zugtieren, die seit Otjimanangombe kein Wasser bekommen hatten. Knapp konnten die Pferde ihre Reiter tragen. Geschütze und Munitionswagen waren in dem tiefen Sande schwer fortzuschaffen.
Der Morgen des 29. brach an. Wasser war vollständig verbraucht. Die Verfolgung
wurde fortgesetzt in der Hoffnung, an Wasser zu gelangen. Die Hitze war erdrückend. Mittags gegen 11 Uhr wurde halt gemacht, da die Tiere völlig erschöpft waren. Nachmittags sollte der Rückweg angetreten werden. Um 3 Uhr brachen wir auf. Der Munitionswagen wurde stehen gelassen und die Tiere vor die Geschütze gespannt.
Aber nur langsam ging es vorwärts. Die Tiere konnten nicht mehr. Massenweise brachen sie vor Entkräftung zusammen. Viele von den Mannschaften waren ohne Pferde und mußten den Weg zu Fuß zurücklegen. Mit Grauen denken wir zurück an diese Strecke. Tote und sterbende Pferde und Maulesel bezeichneten den Weg der Kolonne. Sattel, Neuausrüstungen, Geschirre, Munition. Da die Tiere vor Durst den Dienst versagten, mußten Geschütze zurückbleiben, um nur durchzukommen. Den meisten Pferden, die nicht mehr weiter konnten, wurde die Kehle aufgeschnitten. Von dem ausströmenden Blute stillten wir den Durst. Viele von den Mannschaften wurden bewußtlos vor Durst und konnten nur mit vieler Mühe mitgeschleppt werden. Andere rangen die Hände gen Himmel und flehten um Wasser, was auch, wie ein Wunder Gottes, nicht ausblieb. Am 29. nachmittags setzte ein frischer Regen ein, der vielen zur Rettung wurde. Viele aber holten sich hier auch den Keim zur Krankheit. Ein paar Tage später konnte man in Otjimanangombe die Folgen von dem Durstmarsch sehen. Zahlreiche Reiter wälzten sich auf ihrem harten Lager vor Schmerzen. Etliche Wochen später lagen viele unter afrikanischer Erde. Der Typhus wütete schrecklich. Von Oz-Ombu aus waren Kameraden mit gefüllten Wassersäcken zwei- bis dreimal zurückgeeilt, um die Halbverdursteten zu retten, was auch vielfach gelang. Hierbei zeichnete der Gefreite Kohnert von der 7. Batterie sich besonders aus. Er legte die Strecke dreimal zu Fuß zurück, um seinen verdurstenden Kameraden Wasser zu bringen. Nach und nach trafen sie alle am 29., 30. und 31. Oktober in Oz- Ombu au der Wasserstelle ein. Leutnant Wagner mußte, da er unterwegs schwer erkrankt war, auf einer Eselkarre geholt werden. Sergeant Hirschmann, Gefreiter Krug und zwei Mann der 7. Batterie legten in den Nächten zum 2. und 3. November nochmals zehn Kilometer zurück, um die stehengebliebeneu Geschütze zu holen, was auch unter großen Anstrengungen gelang. Leutnant Freiherr von Egloffstein mit zwei Unteroffizieren und elf Mann hielt
Reiter Karl Derlei.