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ab, unsere Bajonette blitzten ihnen entgegen. Weiber und Kinder schrien, die Tiere brüllten und stoben auseinander; einige Hottentotten warfen sich auf ungesattelte Pferde und wurden in der noch immer starken Dämmerung bald unsichtbar, einige verschwanden in dem zerrissenen Felsengelände oder zwischen den Viehherden. Etwa 20 Frauen und Kinder kauerten in großer Angst an einem Felsenriff. Ich ließ ihnen zurufen, unbesorgt zu sein, da die Deutschen mit Frauen und Kindern keinen Krieg führen. Nur ein einziger meiner Leute, ein Bastard, war verwundet worden; er hatte einen Schuß zwischen Herz und Lunge, der am Schulterblatt wieder heraustrat. Aber auch wir hatten anscheinend mit unserem Schnellfeuer nicht viel getroffen; in einem Pontok lagen eine Frau und ein Kind tot, am Eingang eines anderen wand sich ein Bondelzwart in den letzten Zügen, krampfhaft sein Gewehr umfassend. Das war alles.
Während nun Sanitätsgefreiter Rolle unseren Verwundeten verband (der sich uach wenigen Minuten wieder so weit erholt hatte, daß er seine Holzpfeife in Brand steckte), suchten wir die 22 Pontoks ab, die mit allerlei, zumeist geraubtem, Gut angefüllt waren. Neben reichlichen Vorräten von Proviant fanden wir eine Menge Schlafdecken, Küchengeräte allerart, Munition und sieben Hinterladergewehre; in dem größten, wohl dem Kapitänspontok, stand eine Kiste mit Büchern und Schriften, eine große Spieluhr und ein großer Sack voll Feigen, welcher gleich Liebhaber fand. Was mich aber mit besonderem Staunen erfüllte, waren die vielen herumliegenden Sättel; allein am Kapitänspontok lagen gegen 20! Ich sah den Bur vom Berg an, der kopfschüttelnd dastand und wohl denselben Gedanken wie ich hatte: Der Kapitän Wilhelm Christian war mit seinen Orlogleuten zurückgekehrt! Wie sich später bestätigte, war er kurz nach Mitternacht von seinem Raubzuge zurückgekommen: wir hatten uns also dem ganzen „Orlog" der Warmbäder Bondelzwarts gegenüber befunden.
II.
Was nun?
Nun hieß es rasch handeln; denn ein Gegenstoß war zu befürchten, sobald der Feind unsere geringe Zahl erkannte. Nach einem 300 Meter entfernten Hügel wurde eine Beobachtungspatrouille entsandt, das umherstehende Vieh zusammengetrieben. Decken, Grasbüschel und Sättel wurden aufgetürmt und in Brand gesteckt, sämtliche Pontoks angezündet, die Gewehre zerschlagen und in die Feuerbrände geworfen. Als die Sonne aufging, brannte alles lichterloh; häufige Explosionen bewiesen, daß viel Munition in den Pontoks aufgestapelt war. Bald kam meine Beobachtungspatrouille mit der Meldung zurück, vom Feinde sei weit und breit nichts mehr zu sehen; anscheinend sei er das Hartebeestrivier auswärts gezogen.
Vielleicht 10 Minuten nach Sonnenaufgang hatte sich unser Beutevieh mit unseren Verwundeten in Bewegung gesetzt, und ich rief gerade zwei Bastards zu, noch einige abseits stehende Ziegen mitzunehmen, als plötzlich einige Schüsse fielen, die bald zu einem regelrechten Schnellfeuer wurden. Dem Knall nach waren die unsichtbaren Schützen noch mehrere hundert Meter entfernt, daß nach uns geschossen wurde, und zwar gerade dahin, wo die Gefreiten Rolle, Knittel, Abt und ich standen, war kein Zweifel; es sah um uns aus, als ob von unsichtbarer Hand Erbsen in den Sand geworfen würden. Wir knieten nieder Und schössen in der Richtung, woher die feindlichen Schüsse knallten. Plötzlich fühlte ich einen heftigen Schlag gegen meinen linken Unterschenkel; ein Geschoß hatte mich dicht unter der Kniescheibe getroffen und war hinten unterhalb der Wade wieder ausgetreten. An dem intensiven Schmerze merkte ich gleich, daß der Knochen entzwei war. Ich versuchte nun, im Liegen weiterzuschießen, jedoch erhielt ich nun einen Prellschuß gegen die rechte Hand und Brust, so daß die Hand zum Schießen nicht mehr gebrauchsfähig war.
Ich sah mich nun nach meiner Patrouille um; die Weißen lagen rechts und links von mir, heftig feuernd, platt auf der Erde, die Bastards 50 Meter zurück in guter Deckung au