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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Bis zur englischen Grenze.

i.

Ein gelungener Überfall.

Kurz vor Sonnenuntergang rückten wir los; die Entfernung von 30 Kilometer mag richtig geschätzt worden sein, jedoch brauchten wir hierzu neun Stunden, da teils dichtes Gestrüpp, teils Felspartien unseren Vormarsch hinderten, dabei wurden mir um Mitternacht von meinen Bastards ganz frische Menschenspuren, die von schmalen Hottentottenfüßen herrührten, gemeldet. War unser gestriges Lager von Spähern bemerkt und unser Abrücken gestern abend gemeldet worden? Wie die Indianer schlichen wir im Gänsemarsch auf dem schmalen, kaum erkennbaren Fußsteig vorwärts; oft standen wir still und schauten angespannt vorwärts nach dem feind­lichen Lagerfeuer aus oder lauschten nach dem Gebrüll der Viehherden. Nichts war jedoch zu sehen und zu hören, nur die Fußspuren vermehrten sich bedenklich. Um 3 Uhr ging der Mond unter; bald war es fast ganz finster. Mühsam ging der Marsch weiter. Auf einmal hielt der vor mir gehende Bur vom Berg, so daß ich auf ihn aufrannte.Hier rechts, Oberleutnant, ist die englische Polizeistation, und hinter diesem Felsvorsprung geradeaus sind die Bondels!" Ich sah nach der Uhr; es war Punkt vier. Im Osten zeigte sich ein schwacher, hellgrauer Streifen. Also waren wir gerade noch rechtzeitig an­gekommen.

Nun ließ ich die beiden Maultiere mit den Lazarettsachen und dem wenigen Proviant unter Bedeckung zweier Bethanierhottentotten zurück, ließ ausschwärmen und lautlos im Orauje- bett vorgehen. Zu sehen war noch nichts, auch nicht, als wir um den Felsvorsprung herumkamen und ich die Schützenlinie etwas links schwenken ließ. Jedenfalls aber wußten die Hottentotten nichts von unserem Anmarsch; denn sonst hätten sie diesen Felsvorsprung besetzt und uns beschossen.

Auf einmal hörten wir ganz nahe einen Hund bellen und gleich darauf eine Kuh brüllen. Im Nu lag alles auf dem Boden. Da sah ich in dem schwachen Dämmerschein plötzlich vor mir die grauen Umrisse vieler Pontoks (Eingeborenen­hütten) in der Entfernung von 100 bis 200 Meter.

Näher durften wir nicht heran. Ich ließ das Seitengewehr aufpflanzen und in der Schützen­linie weitersagen:Sobald wir das Gewehrkorn sehen können, geben wir fünf Patronen Schnell­feuer ab, und dann geht's mit Marsch, marsch!

Hurra!' in die Werft!" Etwa 4^ Uhr vor­mittags war's soweit: die fünf Patronen waren in wenigen Sekunden verfeuert, und unter Hurra­rufen rannten wir in die Werft. Der Überfall war vollkommen geglückt, der Trubel, der folgte, unbeschreiblich. Die Hottentotten stürzten aus ihren Pontoks, feuerten ihre Flinten nach uns

Hauvtnmnn Heinrich Böttlin.

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