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dem etwas überhöhenden Oranjeufer gleichfalls feuernd, und meine Hottentotten — liefen über den Oranje, der englischen Grenze zu! Da sagte Rolle zu mir: „Herr Oberleutnant, wir müssen auch zu den Bastards in Deckung zurück; denn die Bondelzwarts wollen uns links umfassen." Ich hatte allerdings auch schon links Schüsse gehört, glaubte jedoch, es seien meine Hottentotten. Nun packten mich die Gefreiten Knittel und Rolle unter der Achsel und schleiften mich zurück, während der Gefreite Abt Schnellfeuer abgab. Nach wenigen Schritten erhielt ich einen Schuß ins Kreuz, während mir fast gleichzeitig der Hut vom Kopfe geschossen wurde. Rolle erhielt einen Schuß durch den Ärmel, und die feindlichen Kugeln pfiffen so dicht um uns herum, daß Knittel und Rolle, um das Feuer zu erwidern, mich fallen lassen mußten — natürlich gerade auf mein eutzweigeschossenes Bein. Da lag ich nun, halb betäubt von Schmerz und Blutverlust, zusammengekauert, mit entblößtem Kopfe und erwartete den Fanaschuß.
Diese kritische Lage hatten meine Bastards und die inzwischen gleichfalls in Deckung zurückgegangenen beiden Buren erkannt und hielten durch ein ruhiges, wohlgezieltes Feuer unsere nächsten Gegner in Schach, so daß mich die drei Gefreiten — Abt griff nun auch noch mit zu — glücklich in die Deckung schleifen konnten. Von hier aus feuerten wir etwa noch eine Viertelstunde lang, ohne daß der Gegner weiter nachdrängte; auch ich schoß noch einige Male mit der linken Hand, getroffen werde ich aber wohl kaum etwas haben.
Ein englischer Sergeantmajor war auf den Felsen geklettert und schwenkte den Union Jack: „Nicht weiter schießen, das Ufer ist englisch!"
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„Nicht weiter schießen, das Ufer ist englisch!"
Plötzlich hörten wir unter uns Stimmen, welche uns auf englisch und holländisch zuriefen: „Nicht weiter schießen, das Nordufer des Oranje ist englisch!" „Seit einer halben Stunde fliegen die Kugeln der Bondels über eure Köpfe hinweg ins englische Lager!" und dergleichen. Es waren einige englische Kappolizisten unter Führung des Kapitäns Woon und einige andere englische Offiziere, mit denen ich vor wenigen Tagen in Ramansdrift den gemütlichen Bierabend hatte. Ein englischer Sergeantmajor war auf einen Felsen geklettert und schwenkte den Union Jack, worauf das feindliche Feuer verstummte. Ich ließ gleichfalls stoppen und bedeutete dem an mich herangetretenen Kapitän Woon, das trockene Oranjeflußbett läge ja noch fast 100 Meter hinter uns. Woon erwiderte, daß in der Regenzeit der Fluß den ganzen 400 bis 500 Meter breiten Einschnitt fülle, also auch den Steilabfall, an dem ich zurzeit mit meinen Leuten lag; wir befänden uns daher bereits auf englischem Boden. Später erfuhr ich, daß der Engländer recht hatte; denn nach dem Caprivischen Grenzvertrag läuft die englische Grenze, nicht wie sonst üblich, in der Mittellinie des Grenzflusses, sondern auf der Nordseite. Von Rechts wegen dürfen uns also die Engländer die Wasserbenutzung aus dem Oranje verbieten! Ich war nun durchaus nicht in der Verfassung, mich des längeren über die richtige Auslegung des Grenzvertrages zu unterhalten; zudem hatte sich bei mir ein stechender Schmerz im