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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Hinterkopfe eingestellt, so daß ich kaum aus den Augen sehen konnte. Ich brach das Gesecht ab und übergab Rolle die Abteilung. Nun legten sie mich auf einen Woilach, an dem drei meiner Leute und ebensoviel Kappolizisten anfaßten, um mich über das Flußbett zu tragen. Kaum waren wir aus dem Schutze des Steinabfalls heraus, als wieder ein heftiges Feuer auf uns begann. Kapitän Woon ließ den Hottentotten zurufen, wenn sie nicht sofort das Feuer einstellten, würde er seine Leute zusammen mit uns auf sie schießen lassen. Drüben im englischen Lager fanden wir unsere tapferen Hottentotten wieder vor. Ich habe den Borfall später zur Sprache gebracht; aus politischen Gründen und vielleicht auch, weil die Leute nicht wie die Bastards regelrecht militärisch ausgebildet waren, erfolgte nichts. Der Vorfall zeigt aber wieder, daß die Eingeborenen nicht an der Sache, sondern nur an der Person hängen. Mich kannten die Hottentotten kaum; beim Grafen von Kageneck, ihrem AbtcllungSführer, hätten sie viel­leicht, wie die Bastards bei mir, ausgehalten.

Böttlin,

Hauptmann und Kompagnicinhrer, Okahandja.

*

Der Hauptmann ist tot!"

Wir hatten am 9. April bei OtjosasuOnganjira einen harten Kampf bestanden gegen die Hereros und gegen den Durst. Noch in der Nacht zum 10. wurde nur spärlich Wasser ergraben. Am 10. begruben wir die Toten.

Meine Kompagnie Hauptmann von Bagens ki beerdigte allein an 500 Schwarze.

Den 11. April benutzten wir zur Ruhe.

Am 12. suchten wir wieder mit dem Feinde in Ver­bindung zu kommen. Am 13. früh 7 Uhr gingen wir vor, aber diesmal in kolossal großen Büschen.

Wir ritten früh 4 Uhr von Otjosasu ab in nördlicher Richtung. Als wir in Owiumbo an­kamen, ging's schon los. Die ganze Hauptmacht hatte sich dort festgesetzt, um standhaft zu kämpfen.

Aber sofort traten unsere Artillerie und Maschinen­gewehre in Tätigkeit. Unser Hauptmann von Ba­gens ki beobachtete jeden Granatenschuß voll Auf­merksamkeit. Plötzlich nahm er sein Glas ans Gesicht:Was, Teufel," rief er,die Artillerie feuert auf unsere eigenen schwarzen Leute!" In demselben Augenblick krachte ein Schuß, und unser guter Hauptmann lag tot neben mir. Wie ein Blitz ging's durch die ganze Schützen­linie:Der Hauptmann ist tot!" Alles stockte einen Augenblick. Dann aber ging's mit Todesverachtung vorwärts, um den Tod unseres Führers zu rächen. Wir lagen aber den ganzen Tag vor dem Swakop und konnten nicht hinüber. Es wurde immer und immer wieder der Sturmanlauf erwartet, aber Oberst Leutwein sagte:Mit diesen wenigen Leuten geht es nicht", und so lagen wir den ganzen Tag vor den Schwarzen, ohne daß man zum Sturm vorgehen konnte. Um 8 Uhr kam dann der Befehl zum Rückmarsch. Langsam ging alles vonstatten. Die ganze Abteilung zerstreute sich. Die Kompagnie hatte den Rückzug

zu decken. Wir biwakierten dicht geschlossen. Bei Tagesanbruch kam ein neuer Befehl.

Hauptmann von Bagenski 4.