60
„Herr Leutnant, da sind Schwarze!"
i.
Auf Patrouille mit Freiherr« von Bodenhausen am 30. Juli 1904.
Von meiner ersten Patrouille nach Omaruru zurückgekehrt, entsandte mich der inzwischen eingetroffene Oberst Deimling sofort mit einer 30 Gewehre starken Patrouille unter Leutnant Freiherrn vonBodenhausen mit einem Aufklärnngsauftrag. Nach einer Meldung sollte in die am Waterberg sitzenden Hereromassen eineBewegung nach Westen gekommen sein. Der Keil, der sich ihnen im Süden und Osten durch unsere Abteilung bereits vorgeschoben hatte, legte die Vermutung nahe, daß sich das Volk durch eine vorzeitige Flucht nach Westen ins nahe Ovamboland der drohenden Umklammerung entziehen wollte. Wir hatten also festzustellen, ob die Masse des Herero- volkes noch fest am Waterberg säße. Da ich das in Frage kommende Gelände bereits zum Teil kannte, wurde ich dem Leutnant Freiherrn vonBodenhausen beigegeben. Am zweiten Tage unseres Rittes zeigten sich frische Spuren. Zwei uns begleitende eingeborene Soldaten bewiesen uns die Fertigkeit dieser Leute im Spurenlesen, die sich übrigens auch unsere Reiter bald im gewissen
Omaruru.
Maße aneigneten. Der Eingeborene erkennt aus jeder Pferdespur, wie alt sie ist, ob das Pferd geritten oder lose gelaufen, in welcher Gangart; ja bei steinhartem Boden, wo sich kein Fußabdruck zeigt, erkennt er aus dem gebrochenen Halm die Menschenspur. Da wir in dem dichten Buschgelände auf schmalem Pfade so gut wie keine Seitensicherungen herausschieben konnten und die Menschenspuren sich mehrten, mußte zeitweise abgesessen und im Busch geschwärmt werden. Gegen Abend zeigte sich in unserer rechten Seite schnell verschwindendes schwarzes Volk, bald wurde die nächste Wasserstelle an den Omatako bergen erreicht und unbesetzt gesunden. Da wir in zwei Tagen bereits 120 Kilometer zurückgelegt hatten und ein weiter Weg uns bevorstand, beschlossen wir, an einem freien Platz zu nächtigen und am nächsten Morgen in aller Frühe den an den Omatakobergen verschwundenen Schwarzen zu folgen. Es wurde in Gefechtsbereitschaft mit Doppelwachen genächtigt. Um Mitternacht weckte mich ein auf Posten befindlicher Einjähriger und zeigte mir an den Hängen des Omatakoberges flackernde Lagerfeuer, etwa 20. Die Erwartung auf den ersten Zusammenstoß ließ die Nacht endlos erscheinen. Am nächsten Morgen teilten Leutnant Freiherr vonBodenhausen und ich die Patrouille, um in verschiedenen Richtungen den Berg aufzuklären und uns dann an der Lagerstelle wieder zu treffen, mit der Verabredung, wenn möglich Gefangene einzubringen. Gespannt ritt ich mit meiner Hälfte in den Morgen hinein, der eingeborene Soldat voraus, über jede neue Spur heftig gestikulierend. Die Sonne