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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Ohne jede Schwierigkeit gelangten wir nun auch zu des Oberleutnants Packpferd. Noch etwas Reis, Konserven und Feldzwieback bargen seine Packtaschen. Aber was war das für uns alle. Freiherr von Hiller nahm die Sachen an sich und verteilte sie gleich­mäßig. Wir bekamen pro Mann zu jeder Mahlzeit sieben Feldzwiebacke. Am Abend wünschte Freiherr von Hiller zwei freiwillige Leute, die sich mit einer Meldung an Haupt­mann von Zwehl aus dem Lager schleichen sollten. Ich meldete mich dazu noch der Reiter Martin. Unsere beiden Pferde waren gerade noch vorhanden und von Kugeln ver­schont geblieben. Es war schon dunkel, als wir marschbereit vor den Schanzen standen. Beide Offiziere, Freiherr von Hiller und Fischach, reichten uns zum Abschied die Hand und gaben uns ihren letzten Schluck Rum mit auf den Weg.Und nun reitet! Ihr wißt, daß unser aller Schicksal von der Überbringung der Meldung an Hauptmann von Zwehl abhängt!" Das war unser Geleitwort. Die erste klippige Strecke haben wir leise unser Pferd geführt. Dann kamen wir auf eine Sandfläche, wo wir nun im Galopp lossprengten.

Der Gegner hatte uns Wohl gar nicht bemerkt; denn es traten uns keinerlei Hindernisse entgegen. Aber um so mehr Terrainschwierigkeiten haben wir und unsere vierbeinigen Kameraden überwinden müssen. Wir konnten natürlich nicht der Pad nach reiten, da hätten uns die Hottentotten sicher vorgelegt. Also ohne Weg und ohne Steg. Wir ritten die ganze Nacht hindurch, machten nur kleine Pausen und durchquerten unbe­schreibliche Schluchten und mußten Berge ersteigen. Man sollte es kaum glauben, was auch so ein Pferd überwinden kann, wenn es eben muß. Als ob auch die Tiere die Gefahr ge­kannt hätten und die Wichtigkeit unseres Auftrages.

Es war nun der 29. April, vormittags 9 Uhr, als wir vor dem Abgrund vom Schwarzrand standen und hinübersahen nach den Roten Bergen. Da gewahrten wir tief unten, aber kurz vor uns, eine Staubwolke. Wir erkannten sofort unser Detachement und sahen unsern Papa Zwehl. Das Herz lachte uns im Leibe vor Freude, und ich sah schon im Geiste, wie die Halbbatterie Stuhlmann vor Huams auffuhr. Zwei volle Stunden brauchten wir, bis wir den Abstieg hinter uns hatten. Nach unbeschreiblicher Anstrengung trafen wir unsern Hauptmann, der vom Chamhawib aufgebrochen war, und übergaben die traurige Botschaft. Für unsern Ritt erhielten wir später beide das Militärehrenzeichen 2. Klasse.

Da die Abteilung auch erst kurz vor uns am Chamhawib eingetroffen war, so wurde noch ein Weilchen gerastet. Wir hatten Gelegenheit, uns wieder einmal zu sättigen und ein wenig zu ruhen. Gegen 2 Uhr nachmittags ging es ab im Eilmarsch nach Huams. Bevor die Sonne unterging, trafen wir dort ein. Doch da war der Feind schon ab­gegangen, kein Schwanz mehr zu sehen. Die Hottentotten hatten wohl den Anmarsch der Entsatztruppe bemerkt.

Wie freuten sich nun die Kameraden in den Schanzen, da sie hörten, daß Proviant mitgekommen sei! Die vier Schwerverwundeten wurden unter schweren Leiden in das Feld­lazarett nach Kub gebracht und sind nie wieder zur Kompagnie gekommen.

Ich habe noch viele Gefechte mitgemacht. Meinen Kompagnieführer habe ich noch zweimal verloren, auch viele Kameraden sind noch gefallen. Aber für mich war keine Kugel gegossen. Nachdem die 10. Kompagnie aufgelöst wurde, leiste ich Dienste in der Kompagnie Molliöre.

Gefreiter Artur Kröber,

10. Kompagnie 2. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Kompagnie Molliöre (Goeis).

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