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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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brannte schon unbarmherziger, die Spuren verloren sich mehr und mehr, als einige meiner Reiter mit dem Ruf:Herr Leutnant, da sind Schwarze!" davonstürmten, die ganze Patrouille im Jagdgalopp mitreißend. Wir befanden uns plötzlich inmitten eines im Busch flüchtig angelegten Eingeboreneudorfes, einer sogenannten Werft, wo es von Hereros wimmelte. Die Gewehre aus dem Schuh gerissen, schössen wir vom Pferde und erregten eine heillose Ver­wirrung. Da ich jedoch fürchtete, daß die Eingeborenen bald zur Besinnung und zum ruhigen Schießen kommen würden, begnügte ich mich, drei zwischen den Pferden herumlaufende Hereros gefangen nehmen zu lassen und dann meine Leute energisch zurückzurufen, um im langen Trabe zurückzureiten, die Gefangenen zwischen uns herjagend. Nach drei Stunden stieß ich mit Leutnant Freiherrn von Bodenhausen wieder zusammen. Nach sieben Tagen fiel er mit einer zwölf Mann starken ähnlichen Patrouille in die Hände der Feinde und wurde grausam getötet, mit ihm zwei Leibhusaren, alles Leute, die auch unsere gemeinsame Patrouille mitgeritten hatten.

II.

Gegen unsichtbare Feinde.

Aus dem Gefecht bei Narus am 17. Juni 1905. (Gefechtsweise der Hottentotten.)

In derselben Nacht (15. Juni) stieß jedoch eine von uns vorgesandte Patrouille auf der Gefechtsstelle der von Erckertschen Kompagnie auf einen großen Trupp Hottentotten und zog sich zurück. Die merkwürdige Meldung hierüber sollte von unserer Abteilung aufgeklärt werden. Wir brachen mit einem Bataillon auf dem Papier, dabei aber einer Gefechtsstärke von 87 Gewehren in der Front und zwei Gebirgsgeschützen in der Nacht vom 16. zum 17., 2 Uhr, auf. Der Weg auf Narus führte in einem Rivier, einem ausgetrockneten Flußlauf mit etwa 20 Meter hohen,

steilen Felsrändern. Um 4 Uhr nachts vor Narus angekommen, vernahmen wir das Brüllen und Blöken von Groß- und Kleinvieh von einer anscheinend sehr großen Herde. Auf die dem Rivier vorgelagerte nächste Felskuppe wurde eine Patrouille zu Fuß gesandt, worauf, mitten in der Dunkelheit, Gewehrschüsse in unsere Kolonnen fielen. Uns in dem toten Winkel der einen Felswand deckend, erhielten wir durch einen Mann der vor- gesandten Patrouille die Meldung, daß sie vorn einem Hotten­tottentrupp gegenüberlägen. Die Avantgardenkompagnie unter Hauptmann Anders (fr. Kr.-R.) erklomm nun mit ihren 40 Ge­wehren diese Höhe, wir mit ihr, während das feindliche Feuer immer stärker wurde und bereits in den Flanken sich bemerkbar machte. Da sich um diese Kuppe au dieser Stelle das Rivier in zwei Arme schlängelte, wurde auf die Höhe links jenseit des Riviers ebenfalls ein Zug hinaufgeschickt; die Gebirgsgeschütze wurden von Maultieren in unsere Stellung nachgezogen. Noch vor Sonnenaufgang hatten wir die oberste Höhe erklommen, das Hottentottenfeuer nahm trotz der noch herrschenden Dunkelheit nicht ab, ohne uns jedoch besonderen Schaden zu tun. Etwa um 6 Uhr ging die Sonne mit der der afrikanischen Natur eigentümlichen Schnelligkeit auf. Bei der Tageshelle setzten die Treffer ein, wir hatten im Moment einige Tote, ohne die uns auf 50 Meter gegenüberliegenden Hottentotten in ihren Felsverstecken entdecken, ohne die Flankenschützen erspähen zu können. In der kurzen Zeit hatten sich die Hottentotten Leutnant von Plehwe. in sogenannte Klippenhäuser vollständig eingebaut, die ihnen