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Überfall bei Nakab, nördlich Ariam.
26. März 1906.
I.
„Wie retten wir unsern Leutnant?"
Nach den Operationen in den Oranjebergen wurde die 7. Kompagnie des 2. Feldregiments nach Groendorn beordert. Wir dachten nun, uns dort nach all den Strapazen etwas häuslich niederlassen zu können. Hauptmann Grüner befahl deshalb: „Kochgruppenweise auf dem Berg verschanzen!" Die Hälfte Leute waren bereits mit Bauen fertig. Da kam ein Eingeborener mit der Meldung: „Die Kompagnie sofort nach Mamas!" Der Marsch ging nun, so schnell es die schlappen Pferde erlaubten, über Heirachabis nach Ukamas. Es wurde von einem Durchbrechen Morengas gemunkelt.
Am 25. März 1906, 9 Uhr abends, wurden 15 Gewehre der 7. Kompagnie 2. Feldregiments unter Führung des Leutnants Keller von der Etappe Ukamas zur Bedeckung von sechs Ochsenwagen kommandiert, um an der englischen Grenze (Nakab) Hafer zu holen. Der Marsch ging ununterbrochen bis 1 Uhr, um 2 Uhr morgens ging's weiter. Gegen 5 Uhr waren wir an der letzten Wasserstelle. Die Ochsen kamen auf Weide, und die Leute kochten sich ihren Kaffee, da wir um 1 Uhr nachmittags weiter wollten. Gegen 11 Uhr kam die Meldung
(von den Gefreiten Schäfer und Baron), daß auf einem Berge ein Mann mit einem Gewehr stände. Wir nun alle auf die größte Höhe 'rauf! Doch von einem Feinde war nichts zu sehen. Leutnant Keller gebot uns nun beim Abmarsch die größte Vorsicht, übergab mir die Führung und ritt mit seinem Burschen (Reiter Riesner) und Bambusen über die uns umschließenden Höhen. Wir freuten uns sehr über diese Leistung und schauten ihm gespannt nach, da in den Klippen ein Überfall sehr leicht möglich war. Da der Offizier vom Feinde nichts wahrnehmen konnte, ritt er nachher wieder 'runter und trabte in der Schlucht weiter vor, um dann ohne Aufenthalt das Aufladen des Hafers beaufsichtigen zu können. Ihm folgte auf 400 Meter die Spitze, drei Mann stark, 200 Meter dahinter acht Mann unter meiner Führung, darauf die Wagen und dahinter die Nachspitze, vier Mann stark.
Der Haupttrupp war ungefähr 300 Meter in die Schlucht hineingeritten, da kracht's plötzlich vorn. Wir konnten gerade noch sehen, wie der Leutnant und Bursche sich überschlugen. Schnell entschlossen wollte ich Galopp kommandieren, doch das „Ga" blieb mir im Halse stecken. Eine neue Salve wurde auf uns abgegeben. Im Nu waren wir unten. Ein Gedanke beseelte uns alle — unsere Verwundeten vorn zu retten. — Ein Pfiff mit der Signalpfeife, und meine Leute waren versammelt. „Jetzt vorwärts!" — Drei Kameraden lagen schon tot (die Reiter Anders, Sierszyn und Haucke). Eine steile Höhe seitwärts von uns war die einzige Möglichkeit, Seracant Paul Herzu«. dem Leutnant zur Hilfe zu kommen.