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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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sondern fortgesetzt noch aus der linken Flanke, wo einzelne Scharfschützen der Hottentotten im Gebüsch lagen oder auf Bäumen saßen, beschossen. Sogar mitten zwischen uns und den Ochsen­wagen hatten sich einige verborgen und schössen von hinten in unsere Linien hinein. Die Kerle hatten sich so ausgezeichnet versteckt, daß sie erst nach langem Suchen unschädlich gemacht werden konnten. Besonders die Leute des Munitionswagens hatten unter dem Feuer dieses unsichtbaren Gegners sehr zu leiden.

Gegen 8 Uhr kam mein Batterieführer, Leutnant Oberbeck, zu mir, um sich über den Stand des Gefechts zu orientieren. Kaum hatte er sich wieder zwei Schritt vom Geschütz entfernt, als er plötzlich, ins Herz getroffen, mit lautem Aufschrei zusammenbrach. Er war sofort tot.

Jetzt hatten sich die Hottentotten eingeschossen und ein mörderisches Feuer gegen die Geschütze begonnen; vor, neben und hinter uns schlugen die Geschosse auf den harten Boden auf und spritzten auseinander, so daß mehrere Bedienungsleute verwundet wurden. Doch auch wir konnten schießen, da einzelne weiße Hüte der Hottentotten sichtbar waren. Jeder Treffer der Artillerie wurde von der Infanterie mit lautemHurra!" undBravo!" begrüßt. Da plötzlich ertönt auch in der rechten Flanke heftiges Feuer. Kurz darauf kommt ein Unteroffizier auf mich zugelaufen mit der Bitte, die 7. Kompagnie durch ein Geschütz zu unterstützen. So­fort folgte mir auf meinen Befehl das rechte Flügclgeschütz unter dem heftigsten Feuer des Gegners, dem unsere Bewegung nicht entgangen war, und wurde etwa 300 Meter rechts rück­wärts auf dem linken Flügel der 7. Kompagnie in Stellung gebracht. Die Witboois hatten eine spitze Felsnase besetzt und soeben die stürmende 7. Kompagnie mit großen Verlusten zurück­geschlagen. Ich kam gerade noch zur Zeit, um die rechte Flanke zu schützen, zog aber nach den ersten Schüssen das Feuer des Gegners, der jedoch fortgesetzt zu hoch schoß, auf mein Geschütz. Inzwischen hatte auch die 4. Kompagnie versucht, den Gegner mit aufgepflanztem Bajonett zu werfen, mußte aber, ebenfalls unter großen Verlusten, in die alte Stellung zurückgehen.

Doch auch die Hottentotten versuchten jetzt zu stürmen. UnterHurra Dütschmauns!" und demSchambock, Schambock"-Rufen der Kapitäne stürzte die wilde Horde vor und kam bis auf etwa 30 Schritt an unsere Linien heran, mußte jedoch durch unser wohlgezieltes Ge­wehr- und Geschützfeuer immer wieder unter großen Verlusten zurück. Schon waren die Hotten­totten dabei, uns von allen Seiten einzuschließen.

II.

Im Fieberwahn des Durstes.

Da die Munition bereits knapp zu werden anfing, wurde äußerste Sparsamkeit befohlen. Mit Sehnsucht wurde die Nacht erwartet, deren Kühle doch wenigstens etwas den Durst mildern konnte. Endlich wurde es dunkel, doch niemand kam zur Ruhe, da jede Bewegung unserseits beschossen wurde. Unsere Leute waren, in langer Linie verteilt, stets schußbereit; die Infanterie hatte das Seitengewehr aufgepflanzt. Soweit wie möglich wurde Munition verteilt und aus­geglichen, auch Büchsen mit Ooruaä dosl wurden von hinten vorgebracht. Doch wer konnte bei dem Durst etwas essen!

Der erwartete Angriff blieb aus. Doch kaum wurde es hell, als die Witboois ein lebhaftes Schießen begannen und uns noch immer vom Wasser abzuhalten trachteten. Von beiden Parteien unternommene Sturmversuche wurden zurückgeschlagen.

Gegen Mittag wurde die Lage bedenklich, da der fürchterliche Durst die Leute entsetzlich mitnahm. Mehrere wurden plötzlich wahnsinnig, sprangen auf und liefen in die Linie der Hottentotten, von deneu sie einfach niedergeschlagen wurden. Andere lagen teilnahmlos da und ließen ab und zu ein fast tierisches Brüllen hören. Wieder andere tranken ihren eigenen Urin