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dem Rest der Munition in die vordere Linie, wo wir die Hottentotten in dichten Massen das Rivier abwärts ziehen sahen. Vier Granaten krepierten auf 3000 Meter zwischen ihnen, die nach allen Windrichtungen auseinanderliefen.
Gegen 1,30 Uhr nachmittags war der Gegner verschwunden; wir konnten uns ausruhen! Leute wurden zum Wasserholen kommandiert, und bald hatte jeder einen tüchtigen Schluck des so lange entbehrten Getränkes zu sich genommen. Die Tiere wurden getränkt, und wir selbst bekamen seit fast vier Tagen zum erstenmal wieder etwas zu essen.
Der Sturmangriff mußte die Hottentotten äußerst überrascht haben; denn die 5. Kompagnie fand das noch heiße, sehr gut zubereitete Essen von Hendrik Witbooi vor und ließ es sich gut schmecken.
Da die sehr wenig ergiebige Wasserstelle am 5. Januar bereits völlig erschöpft und die Munition sowohl bei der Infanterie wie bei der Batterie fast gänzlich verbraucht war, wurde das Detachement gezwungen, wieder nach Stamprietfontein zurückzukehren, wo es am 6. mittags eintraf.
Das Detachement Meister, 223 Köpfe, verlor 13 Offiziere und 69 Mann. Die 5. Batterie hatte ein Drittel ihrer Gesamtstärke eingebüßt. Von den sechs Artillerieoffizieren fielen drei, einer verlor im Durst den Verstand, einer war verwundet — gesund blieb nur einer.
Leutnant Rath,
damals in der 5. Batterie der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Südwestasrika.
Es fielen von der Artillerie: Major Freiherr von Nauendorff, Leutnant Oberdeck, Leutnant d. R- Sempcr, Unteroffizier Pöfchcl, Gefreiter Andres, Reiter Korta, Menning. Verwundet wurden von der 5. Batterie: Oberleutnant Lauteschläger (Abteilung Stahl), Wachtmeister Timsries, Sergeant Wehinger, Gefreiten Branstncr, Schmidt, Reiter Ambelang, Bückmann, Heilig, Kalau, Nägelc, Schulz, Lange, Langner, Nowack, Starzynski. D. H.
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„Wer im Krieg will Unglück han,
Fang es mit den Deutschen an!"
Gefechtsbericht des Hauptmanns Manger über das Gefecht bei Okateitei.
Am 2. August 1904, 8 Uhr vormittags, war die 2. Kompagnie mit dem 1., 3. und ^4. Zuge etwa 2^ Kilometer von der Wasserstelle Okateitei rivieraufwärts geritten, um dort einen neuen Lagerplatz einzurichten. Der 2. Zug war an der Wasserstelle zur Sicherung der Heliographenstation zurückgeblieben. Die Züge hatten abgesattelt. Es war mit der Arbeit begonnen worden, als gegen 9 Uhr vormittags in Richtung des 2. Zuges lebhaftes Gewehr- feuer zu hören war. Kurz darauf kam ein Reiter mit der Meldung, daß der 2. Zug überraschend von Hereros angegriffen worden sei.
Beim Zuge des Leutnants von Damm hatte sich folgendes ereignet: Gegen 9 Uhr vormittags ritt eine Witbooipatrouille (die Witboois waren im Hererofeldzuge anfangs auf deutscher Seite) zur Aufklärung in östlicher Richtung auf das Rivier zu. Die Patrouille stieß unvermutet auf etwa 150 Hercros, die sofort feuerten, wobei zwei Witboois fielen, ein Witbooi schwer verwundet wurde. Die Signalabteilung und Zug von Damm entwickelten sich sofort und nahmen auf Standvisierentfernung das Feuer auf. Als Leutnant von Damm sah, daß sich ein Trupp Hereros (etwa 80 Mann) rivieraufwärts herumzog, um seine linke Flanke zu umfassen, entwickelte er hiergegen ebenfalls einen Teil seines Zuges und führte auf nächste Entfernung das Feuergefecht, bei welchem Unteroffizier Leicht verwundet wurde.
Auf das lebhafte Feuern hatte ich sofort satteln lassen und gab folgenden Befehl: „Zug Leutnant von Amcln reitet in breiter Front so rasch wie möglich auf das Gewehrfeuer