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Mannschaften fassen die Tiere an und in die Räder, das erste Geschütz unter Oberleutnant Barack ist oben. Dicht neben mir fährt es in dem jetzt lebhaften feindlichen Gewehrfeuer auf; eine Kugel klatscht gegen das Geschütz, der Reiter Kreß schlägt hintenüber, beide Hände vor den Leib gepreßt. Tut mir leid, denke ich noch, also der erste, der heute dran glauben muß, da richtet Kreß sich wieder auf, das Geschoß hat eine Radspeiche zerschmettert und die Splitter ihn zwar heftig gegen den Magen getroffen, aber ihn sonst nicht verletzt, und ruhig versieht er seinen Dienst weiter.
Bis gegen Mittag dauerte das Gefecht im tollsten Sonnenbrand; wo waren Müdigkeit und Durst hin? Vergessen in der Aufregung des Kampfes und des Erfolges. Reicher Lohn, den wir mit nur vier Toten und drei Verwundeten bezahlten, war aber auch unser. Der Feind ließ 54 Tote mit Gewehren auf dem Platz, 500 Stück Groß- und 3000 Stück Kleinvieh fielen in unsere Hände, die Feldschuhträger hatten aufgehört, als Stamm zu existieren, von Lengerke,
Major in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Wie wir Eckhoff säst aus der Pad hätten liegen lassen.
Ich war Bursche beim Herrn Leutnant Müller von der 2. Kolonnenabteilung. Am 20. November 1904 erhielten wir in Epukiro Befehl, die 4. Halbbatterie von Otjimanan- gombe zu holen. Leutnant Müller mit 10 Mann, 36 losen Maultieren und 1 Wagen rückte am andern Morgen in Kalkfontein ein. Schon dort kam Befehl, sparsam mit Wasser zu sein. Wir treckten die ganze folgende Nacht. Morgens 8 Uhr sahen wir in der Ferne eine Art Zelt. Leutnant Müller ritt voraus, sagte aber, daß dort kein Wasser und daß wir die 130 Kilometer abwärts im Epukirorivier bis Otjimanangombe kein Wasser finden würden. Das Zelt beherbergte einen Sergeanten und einen Reiter. Wir schickten die Tiere auf Weide, aber die schrien nach Wasser. Da hieß es aufpassen, daß sie nicht fortliefen, selbst Wasser zu suchen. Wir luden die zwei Zeltbewohner zum Kaffee ein, und die versprachen uns frisches Fleisch von einem Gcmsbock -— die sind dort so groß wie ein junges Rind. Aber als mein Freund Gröther und ich in einem kleinen Rivier, wo das Fleisch vergraben war, ankamen, sagte mein Freund: „Du, Hermann, riechst du noch nichts?" — „Na ob!" sagte ich, und wir mußten uns die Nasenlöcher zuhalten, so stank der Braten. Da blieb es denn beim Oorusä dosk, was für die Durststrecke nicht gerade geeignet ist.
Um 4 Uhr treckten wir weiter. Kein Baum, kein Strauch, kein Schatten! Am andern Morgen 10 Uhr wollten die Tiere nicht mehr. 16 spannten wir vor den Wagen, aber das dauerte auch nur eine halbe Stunde. Die Räder schnitten bis zur Nabe in den Sand, und uns war so trocken im Halse von dem Schreien zum Aufmuntern der Tiere! Wir wollten zum Wasser — aber immer trockener brannte die Sonne. Endlich halt. Niemand dachte an Essen. Alle krochen unter den Wagen. Plötzlich rief der Leutnant: „He, Karsten! Das geht so nicht weiter! Wenn die Wachen schlapp machen und einschlafen, dann laufen die
Major von Lenaerle.