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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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II.

Wie ich mein Militärehrenzeichen errang.

Nach tagelangen beschwerlichen Märschen waren wir endlich am 11. März 1905 nach den Angaben unserer Führer in den Großen Karrasbergen vor der Hauptstellung Morengas angelangt.

Die Kompagnie 3g, und Gebirgsbatterie von Kleist eröffneten etwa 9 Uhr vormittags das Feuer gegen den versteckt liegenden Gegner, jedoch zuerst mit wenigem Erfolg; denn aus der vor- und seitwärts gelegenen Schlucht und dem vorliegenden Höhenzug prasselte ein gut­gezieltes Feuer. Wir hatten in kurzer Zeit einen Toten und zwei Verwundete.

Die Kompagnie 4g erhielt den Auftrag, links zu verlängern, und schickte der Führer derselben einen Zug vor. Sobald der Zug die Feuerstellung eingenommen hatte, begab sich Hauptmann Arnold mit mir, seinem etatmäßigen Feldwebel, nach der äußersten linken Flanke, um die Stellung des Gegners mit dem Glas genau zu erkunden und danach die weiteren Maßnahmen zu treffen. Nachdem wir beide erst kurze Zeit in kniender Stellung Umschau gehalten hatten, bemerkten wir an den vielen neben und vor uns einschlagenden Geschossen, daß dieser Gruß uns galt. Ich machte denn auch den Hauptmann Arnold darauf aufmerksam; wir beschlossen daher, im Liegen weiter zu beobachten, hatten wir doch nun auch schon gesehen, daß der Gegner gerade an dieser Stelle uns in keiner geringen Anzahl gegenüber lag. Hauptmann Arnold beschloß daher, mit dem Rest der Kompagnie, geteilt in zwei Hälften, den Gegner durch eine weitere Umgehung von links her aufzurollen. Wir mußten nun beide aus unserer Stellung heraus, um jeder seine Abteilung an den rich­tigen Platz zu führen (Offiziere waren nicht mehr vorhanden).

Ungefähr 20 Meter mochten wir beide rückwärts gelaufen sein, als ich Plötzlich in der linken Brustseite einen stechenden Schmerz verspürte, ohne im ersten Augenblick an eine Verwundung zu denken. Jedoch nach einigen Schritten wurde der Atem kürzer und kürzer, auch merkte ich das Herunterlaufen des warmen Blutes. Kurze Zeit darauf fiel ich, ob des starken Blutverlustes ermattet, zur Erde. Jetzt wußte ich, daß ich schwer verwundet war, wie ich dies auch aus dem Munde des mich bald darauf verbindenden Arztes erfuhr. Ich bin kurze Zeit darauf in eine Ohnmacht gefallen, aus welcher ich erst am andern Morgen erwachte.

Heute bin ich wieder leidlich hergestellt und denke oft und gern an die schwere Zeit in Südwest zurück.

Das Militärehreuzeicheu 2. Klasse war meines Königs Dank für mein Verhalten vor dem Feinde.

Gustav Mesech,

vorm. Feldwebel der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, jetzt Bureauassistent.

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-i-

Aus schweren Tagen.

i.

Wie wir Omuweroumue nahmen.

Die Hereros hatten die dichten Dornbüsche am Waterberg besetzt. Am 11. August 1904, 6 Uhr morgens, begann die Artillerie der Abteilung Deimling ihr Feuer auf den Ort Omuweroumue zu richten, gleichsam das Vorspiel zu dem nun folgenden blutigen Tage.

Deutsche Reiter in Südwest. n