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Der bereits verwundete Leutnant Reiß versuchte Widerstand zu leisten, aber nicht lange; denn eine feindliche Kugel streckte ihn nieder. Von den Mannschaften fiel den Feinden einer lebend in die Hände; drei retteten sich durch schnelle Flucht. Die Kirriträger blieben diesen so nahe auf den Fersen, daß sie jeden Augenblick den tödlichen Schlag erwarten konnten. Mit den Toten und Verwundeten beschäftigten sich hauptsächlich die Weiber, die ihnen die Geschlechtsteile, Herz usw. vom Körper abtrennten, mit Rindfleisch vermengt kochten und verzehrten, um nach Ansicht der Eingeborenen sich deutschen Mut anzufressen.
Der ganze Vorgang spielte sich mit ungeahnter Schnelligkeit ab, zudem war die feindliche Übermacht eine erdrückend große.
In Erkenntnis der kritischen Lage ließ Oberst Leutwein von der ganzen Kolonne ein Karree formieren. Als die Abteilungen die ihnen zugewiesenen Stellungen im Karree eingenommen hatten, erfolgte von allen Seiten ein verzweifelter feindlicher Angriff; die Hereros stürmten mit Gewehr, Keule, Beilen, Wurfspießen und allen nur erdenklichen Mordwaffen und kamen bis auf 30 Schritte heran. Der Kampf wogte durch Angriff und Gegenangriff.
Mit einbrechender Dunkelheit machte sich ein Mangel an Munition stark fühlbar; die Artillerie hatte ihre Vorräte so gut wie verschossen. Sie an dieser Stelle zu ergänzen, war aussichtslos; denn die spionierenden Witboois meldeten starkeHererohaufen zwischenOkatumba und -Otjosasu. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß für die Truppe der Rückweg verlegt werden sollte.
Der Rückzug fand um 8 Uhr abends in größter Ruhe und Ordnung statt unter Beobachtung der schärfsten Sicherheitsmaßnahmen.
Die Verluste der Kolonne bestanden in: tot zwei Offiziere und sechs Mann; verwundet ein Offizier und zwölf Mann.
In Otjosasu blieb die Kolonne längere Zeit liegen, da eine Neugliederung der Truppe stattfand.
IV.
Die Kompagnie Franke in der Schlacht am Waterberge, 11. August 1904
(bei Otjosongombe).
Am 11. August 1904, morgens 3,30 Uhr, knatterten unsere Maschinen-, Handgewehrc,
und die Geschütze brüllten „schauerlich schön" an allen Ecken und Kanten. Die 2. Kompagnie
hatte den rechten Flügel. Die Hereros kamen unter Kriegsgeschrei herbei, heftig feuernd
und durch die Zurufe der hinter ihnen befindlichen Weiber aufgestachelt, so daß der Busch von
ihnen wimmelte.
Um 9,45 Uhr war die Schützenlinie bis auf etwa 500 Meter an das Rivier herangekommen, und die Hereros, die inzwischen in einer Schlucht und auf einem ansteigenden Klippengelände sich festgesetzt hatten, beschäftigten gehörig den rechten Flügel, den sie mit gewaltiger Übermacht angriffen. Die Artillerie kämpfte mit einem selbständigen Schnellfeuer, wobei die 2. Kompagnie am rechten Flügel kräftig mit eingriff, so daß die Feinde durch den Busch flohen.
Die Artillerie nahm die ganze Schlucht unter Feuer, damit die 2. Kompagnie die Felsen, welche die Stellung der Hereros beherrschten, besetzen konnte. Der Feind ging unter