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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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im Tal liegende Wasserstelle Kowes, wo wir bis auf wenige Barfußspuren alles in Ordnung fanden. Es wurde etwas Rast gemacht, da wir jetzt 60 Kilometer bis zur Rückkehr an diese Wasserstelle ohne Wasser machen mußten.

Die Pferde wurden abgesattelt und an vorhandene Bäume vor einer zerstörten Farm festgebunden. Jeder von uns stand eine Stunde Posten. Als Dritter stand Reiter Krüger, der mich während seiner Wache weckte, da hinter der Mauer der Farm ein Pferd gefesselt auf uns angewackelt kam. Wir banden das Tier an, um es mit zurückzunehmen. Gegen 5 Uhr morgens begann der Weiterritt. Wir langten um 10 Uhr vormittags in Hunirob an; nach einstündiger Rast wurde über Mittag der Rückmarsch angetreten, da wir hier kein Wasser hatten. Um 2,45 Uhr nachmittags kamen wir wieder in die Gegend von Kowes. Vor dem Wasserloch schwärmten wir aus, da uns, den Spuren nach, die Sache nicht ganz sicher war, obgleich das Pferd, welches wir eingefangen hatten, noch angebunden stand am Baum, wohl, damit wir nicht stutzig werden sollten. Als wir ungefähr zehn Schritte vom Brunnen noch entfernt waren, blitzten uns aus den neben dem Brunnen liegenden Schluchten eine Anzahl Gewehrläufe entgegen, und ehe uns das Kritische der Lage bewußt wurde, knatterten auch schon die Schüsse. Mein Kamerad Krüger sank, von fünf Schuß getroffen, vom Pferde, letzteres war auch tödlich verwundet. Mit dem Unteroffizier ging das Pferd nach der Richtung der Farm los, wo es auch niedergestreckt wurde, der Unteroffizier jedoch konnte sich durch günstiges Gelände retten, wo er noch am selben Abend bei meinem Geschütz an­langte. Ich aber mußte kehrt machen, da ich auch von der Farm aus Feuer bekam. Bei dem Rückzug erhielt auch mein Roß einen Schuß durch die Nase, der das Tier unfähig machte. Zu Fuß mußte ich mein Heil versuchen, bereits von feindlichen Reitern verfolgt und beschossen. Ich habe nun zwei Tage und Nächte, umschlossen von Hottentotten, zugebracht. Dieselben waren zu feig, mich aus meiner Deckung herauszuholen, und auf 30 Meter konnte ich sie mir mit meinem Karabiner vom Leibe halten. Aber der Durst fing an unerträglich zu werden, und in der zweiten Nacht gab's nur die Frage:Entweder erschießen lassen von den schwarzen Lumpen oder ver­dursten." Gegen 3,30 Uhr nachts, als der Mond ver­schwand, wagte ich einen Fluchtversuch, der mir unter größter Vorsicht gelang. Als der Morgen graute, konnte ich von weitem noch feindliche Posten auf den Höhen sehen. Gegen 8 Uhr morgens kam ich wieder in die Gegend von Kowes, welche bereits von unsern Truppen besetzt war, und um das am Tage vorher ein Gefecht stattgefunden hatte. Meine Batterie verlor noch drei Tote dabei. Als ich ankam, war gerade unser Major von Uthmann zugegen mit seinem Stäbe; ich wurde aufs herzlichste begrüßt, Oberleutnant von Nadrowski reichte mir einen Schluck Kognak aus seiner Flasche, und der Herr Major drückte mir tüchtig die Hand und freute sich, daß ich vor allen Dingen meine Waffe gerettet hatte. Mit etwas von Dornen zerstochenen Beinen (ich hatte meine kaputten Stiefel ausgezogen, damit die Schwarzen meine Spur nicht finden sollten)

und einer kleinen Erkältung kam ich von diesem Gefreiter Martin Reimann.

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