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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Dann aber kam von drei Seiten Feuer, man wußte kaum woher; denn sehen konnte man den Feind nicht. Also Übersicht bekommen, daher schnell vollends hinauf. Eben fiel an meiner Seite mein Nebenmann und Freund Sigl, ein Bayer, er war durch den Leib geschossen aber wir mußten vorwärts vollends auf die Höhe. Etwa 300 Meter mochten wir gestiegen sein, dann lag das Plateau in 200 Meter Breite vor uns. Sofort verteilte uns Oberleutnant Freiherr von Fürsten­berg aber 20 Mann auf die Ausdehnung, in dem Gelände. Das schien anfangs schlimm; denn der Feind hatte die Koppjes besetzt, die über die Höhe hinausragten 50 Meter höher. Wir deckten uns, so gut es ging, und nahmen das Feuer auf; denn erstürmen ließen sich die Koppjes nicht, dazu hatten sie zu steile Hänge. So lagen wir denn im Feuer bis in den späten Abend. Aber wir mußten wohl gut geschossen haben! Ich selbst hatte eine gute Deckung ganz vorn gefunden und na, ab und zu konnte ich so einen schwarzen Kopf über dem Gestein gegen den Horizont erkennen und dann nun dann ließ ich eben Funken fliegen. Immer schwächer wurde des Feindes Feuer, und etwa um 8 Uhr hörte es ganz aus der Platz gehörte uns. Wir gingen vor wir suchten den Kampfplatz beim Mondenschein ab. Noch drei Kameraden fanden wir, die waren tot. Nachts blieben wir auf dem Platze, und am 3. Oktober, morgens, nahmen wir unsere Toten mit die Gefreiten Wallner, Braun und Stahl nach Wasserfall, auch den armen Sigl trugen wir mit. Er sollte am folgenden Tage seinen Wunden erliegen. Die gefallenen Helden begruben wir bei Wasserfall. Ober­leutnant Freiherr von Fürstenberg sprach ergreifend am Grabe:Ehret das Andenken der braven Deutschen, die auf afrikanischer Erde für Deutschlands Ehre fielen als Helden!"

Gaertner,

ehem. Reiter der 2. Ersatzkompagnie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

Für sein tapferes Verhalten vor den Koppjes im feindlichen Feuer erhielt Gaertner das Militär- ehrenzeichen II. Klasse. D. H.

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Kritische Lage.

Erschießen lassen von den schwarzen Lumpen oder verdursten?"

Es war am Abend des 15. Mai 1905, wo ich mit dem 3. Geschütz der 5. Batterie (ein Offizier und sieben Mann) zur Besetzung der Wasserstelle Haruchas kommandiert war, als gegen 11 Uhr ein Heliogramm aus Gochas kam, daß sofort der Unteroffizier mit drei Mann von uns wegreiten sollte, um Spuren der wahrscheinlich nach dem Auobtal gezogenen Hottentotten festzustellen. Als Zielpunkt war uns eine wasserlose Stelle, Hunirob, gesetzt, ungefähr 50 Kilometer. Da ich bereits diese Gegend durch Patrouillenritte kannte, so wurde auch ich kommandiert. Frohen Mutes ging es los, gegen 2 Uhr nachts kamen wir an die

Reiter Gaertner.