111
Pferde der Kompagnie kamen gerade von der Weide, um in den Dornkral getrieben zu werden. Auch sie wirbelten eine große Staubwolke auf. Wir ließen schnell einen von unseren eingeborenen Soldaten kommen, der nach kurzer Beobachtung aussagte, es seien Hottentotten, die uns da entgegenkämen. Mit größter Schnelligkeit wurde gesattelt. Eine Lagerwache blieb zurück, und wir ritten, so schnell es die Bodenverhältnisse erlaubten, dem Feinde entgegen, um ihn womöglich noch in der Ebene zu fassen, ehe er das bergige, unübersichtliche Gelände am Löwenfluß erreichte. Wir kamen aber doch zu spät. Der Feind hatte schon einen Höhenrand rechts von uns besetzt, und als die Spitze, aus der Spur nachreitend, sich diesem näherte, erhielt sie heftiges, aber wirkungsloses Feuer. Sofort nun zum Gefecht abgesessen! Ich kam mit dem 3. Zuge in Reserve, die anderen drei Züge gingen vor, um die Höhe zu nehmen. Die Handpferde wurden hinter Büschen, so gut es ging, gegen Sicht gedeckt. Mittlerweile war es schon ziemlich dunkel geworden, und man sah schon jeden Schuß kurz und grell aufleuchten. Die Hottentotten leisteten nicht lange Widerstand. Nach etwa einer Stunde war der Höhenrand in unseren Händen. Nun saßen wir wieder auf und ritten auf der Spur noch ein Stück nach. Aber schon nach kurzer Zeit erhielt ich bei der Spitze den Befehl, umzukehren. Bei Nacht schien eine Verfolgung in dem sehr unübersichtlichen Gelände nicht ratsam, und wir kehrten in das Lager bei Gawachab zurück. Die Wegnahme der Höhe hatte uns einen Leichtverwundeten gekostet, Reiter Schmidt. Im Lager wurde er verbunden. Obgleich er erhebliche Schmerzen haben mußte, war er guten Mutes und aß mehrere Stullen mit Pflaumenmus, die ich ihm zurecht machte.
Am 5. Mai fand uns der Tag schon auf den Pferden. Auf dem Gefcchtsfeld fanden wir einen krankgeschossenen Esel, der von seinen Leiden erlöst wurde. Dann fingen wir einen alten Buschmann, der, mit einem Stück Fleisch und einem Wassersack auf dem Rücken, dort vor uns flüchtig wurde und sich nach seiner Gefangennahme den Anstrich des harmlosen Wanderers zu geben bemüht war. Er wurde, da er zuerst nichts aussagen wollte, ins Lager zurückgebracht. Dort hat er nachher ziemlich zutreffende Angaben über den Feind gemacht. — Wie aus den Spuren ersichtlich, war der Feind im trockenen Bette des Löwenflusses nach Südwesten gezogen. Der Kompagnieführer gab nun folgenden Befehl: „Die Kompagnie verfolgt den Feind. Es werden zwei Spitzen vorgenommen. Die eine reitet auf der Spur im Flußbett entlang, die andere auf dem nördlichen Flußufer. Die Kompagnie folgt der letzteren." — In Ausführung dieses Befehls gestaltete sich der Vormarsch der Kompagnie sehr mühsam.
II.
„Herr Leutnant, nicht so hoch!"
Der Löwenfluß ist sehr tief eingeschnitten, und von beiden Seiten münden in ihn häufig ebenso tiefe Nebenriviere. Letztere sind an der Mündung, ihrer steilen und felsigen Ufer wegen, meist nicht zu überschreiten und nötigten die Kompagnie oft zu zeitraubenden Umwegen. Außerdem war fast das ganze Gelände mit Steingeröll bedeckt, was das Vorwärtskommen wesentlich erschwerte. Trotzdem holten wir den Feind gegen Mittag ein. Er hatte wohl gedacht, daß die Kompagnie im Flußbett folgen würde und hätte dann durch Besetzung der Ufer uns leicht eine empfindliche Niederlage bereiten können. — Um 12,30 Uhr bemerkte ich in dem an dieser Stelle wohl weit über 100 Meter eingeschnittenen Bett des Löwenslusses, als Führer der oben reitenden Spitze, den Feind. Die Kompagnie hatte fast gleichzeitig dieselbe Entdeckung gemacht. Es wurde der Rand des Riviers besetzt; in die rechte Flanke schob ich einen schwachen Posten zur Sicherung vor. Der Feind mochte vielleicht 30 Gewehre stark sein. Außerdem hatten sie viele Weiber und Kinder und einiges Vieh mit sich. Auf unsere ersten Schüsse waren die Hottentotten wie der Blitz von ihren Pferden herunter, und sie versteckten sich in