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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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mehrerer kleiner Feuer in der Ferne. Es war ungefähr 11 Uhr abends. Wir begaben uns alle oben aufs Dach, um die Sache näher zu beobachten. Telegraph und Heliograph, wie wir, hatte der Feind nicht. Darum verständigten sie sich durch diese verabredeten Feuer­zeichen. Wir machten unserm Kompagnieführer, der Wohl zwei Kilometer von uns entfernt lag, Mitteilung (so weit lagen unsere drei Farmen voneinander). Zur Vorsicht hatten wir unsern Posten verstärkt. Nichts Schlimmes ahnend, legten wir uns ein paar Stunden zur Ruhe. Da plötzlich, morgens um 5 Uhr, fielen gleich nacheinander zwei Salven. Jeder griff nach seinem Gewehr, was jeder alte Orlogsmann, wenn er sich für einen Augenblick zur Ruhe legt, geladen neben sich liegen hat, und so stürmten wir los, unser Feldwebel voran. Aber wir kamen kaum 200 Schritt vor, da schlug uns ein heftiges Feuer entgegen, so daß wir uns erst hinlegen mußten, um dann sprungweise vor­zugehen. Es gelang uns, die erste Sanddüne zu erreichen, wo wir mög­lichst Deckung fanden. Wir schlugen dann den Feind zurück. Ich erbeutete mir noch ein Pferd mit einem 88 er Ge­wehr im Gewehrschuh. Aber ich hatte es nicht lange; kaum hatte ich es in Deckung geführt, da wurde es mir von der Hand weggeschossen. Jetzt wollten wir unsern beiden andern Zügen zu Hilfe eilen, aber es war unmöglich.

Der Feind hatte uns gänzlich von den beiden Zügen abgesperrt. Aber es half alles nichts. Nach Verlauf von vier Stunden hatten wir den Feind unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Er flüchtete unter Zurücklassung seiner Toten, die er sonst gewöhnlich ver­scharrte oder mitnahm, in der Richtung auf Schürfpenz. So war der Feind geschlagen, der uns mindestens fünf­mal an Zahl überlegen war. Wir hatten unsererseits nur wenig Ver­luste: ein Offizier, Leutnant Giesselmann, und Unteroffizier Mees tot; vier Mann ver­wundet Bachofer, Herzog, Powelskus und Prausewetter.

Heinrich Sewing,

ehem. Gefreiter der 7. Komp. 2. Feldregts. d. Kaiser!. Schutztruppe f.D.-Südwestafrika, z.Zt. Herford.

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Aus dem Wege nach Hartebeestmund.

Nach mehrwöchigem Aufenthalt in Sandfontein, Gaobis und Norechab zur Sicherung der Etappenstraße Warmbad Ramansdrift wurde das Detachement d'Arrest- 10. Kompagnie des 2. Feldregiments, Ersatzkompagnie 3 a, ein Zug der 2. Gebirgsbatterie und

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Gefreiter Heinrich Sewing.